Die türkische Schuhindustrie steckt in einer tiefen Krise. Die Ausfuhren sanken von 377 Millionen Paar im Jahr 2022 auf nur noch 187 Millionen Paar 2025. Der Exportwert ging im gleichen Zeitraum von rund 1,3 Milliarden auf gut eine Milliarde US-Dollar zurück. Damit hat sich die Exportmenge innerhalb von drei Jahren praktisch halbiert.
Auch 2026 setzt sich die Talfahrt fort. In den ersten acht Monaten gingen die Schuhexporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum mengenmäßig um weitere 28,2 Prozent und wertmäßig um 11,3 Prozent zurück. TASD-Präsident Berke İçten rechnet für das Gesamtjahr nur noch mit einem Exportwert von maximal rund 900 Millionen Dollar. Nach seiner Einschätzung könnte die Branche unter wettbewerbsfähigen Bedingungen dagegen Exporte von bis zu zwei Milliarden Dollar erreichen.
Als Hauptproblem gelten die stark gestiegenen Produktionskosten. Türkische Hersteller können nach Einschätzung der Branchenverbände preislich zunehmend nicht mehr mit internationalen Wettbewerbern mithalten. Die Folgen zeigen sich auch bei Produktion und Beschäftigung: Nach Angaben der TASD sind in den vergangenen Jahren Hunderte Unternehmen verschwunden. Die Zahl der Beschäftigten in der Schuhindustrie sank demnach um mehr als 40 Prozent von rund 350.000 auf 200.000.
Gleichzeitig stiegen die Importe kräftig. Wurden 2022 noch 43 Millionen Paar Schuhe eingeführt, waren es 2025 bereits 76 Millionen Paar. Der Importwert erhöhte sich von 960 Millionen auf 1,7 Milliarden Dollar. Aus einem Außenhandelsüberschuss von rund 550 Millionen Dollar vor wenigen Jahren ist damit ein Defizit von etwa 700 Millionen Dollar geworden.
Die türkische Regierung hat inzwischen mit Schutzmaßnahmen reagiert. In den ersten acht Monaten 2026 gingen die Importe mengenmäßig um 25,2 Prozent und wertmäßig um 14,8 Prozent zurück. Der Rückgang der eigenen Exporte konnte damit bislang jedoch nicht gestoppt werden.
Auch das Geschäft mit Deutschland hat deutlich nachgelassen. 2025 exportierte die Türkei Schuhe im Wert von 65 Millionen Dollar nach Deutschland, 19,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutschland blieb damit hinter dem Irak und Rumänien dennoch der drittgrößte Exportmarkt der türkischen Schuhindustrie.
Branchenvertreter warnen, dass eine Begrenzung der Importe allein die strukturellen Probleme nicht lösen könne. Entscheidend seien wettbewerbsfähigere Produktionskosten und verlässlich kalkulierbare Preise. Der zunehmende wirtschaftliche Druck zeigt sich inzwischen auch bei einzelnen Herstellern: Vier Gesellschaften der traditionsreichen türkischen Bueno-Gruppe erhielten zuletzt im Rahmen eines Insolvenzverfahrens einen einjährigen Gläubigerschutz.



























