Schwacher Schuhmarkt belastet ANWR Group

Die ANWR-Vorstände Martina Novotny, Frank Schuffelen und Tobias Eichmeier berichteten über das abgelaufene Geschäftsjahr.
Die ANWR-Vorstände Martina Novotny, Frank Schuffelen und Tobias Eichmeier berichteten über das abgelaufene Geschäftsjahr.

Generalversammlung der Verbundgruppe in Mainhausen

Der Schuhhandel in Deutschland steht weiterhin unter erheblichem strukturellem Druck. Die Entwicklung der ANWR Group zeigt dabei deutlich, dass es sich nicht mehr um kurzfristige konjunkturelle Schwankungen handelt, sondern um einen tiefgreifenden Wandel der Marktlogik. Auf der Generalversammlung der Verbundgruppe am 26. Juni in Mainhausen wurde der aktuelle Zustand des Schuh- und Sportfachhandels umfassend analysiert und eingeordnet.

Deutlich rückläufige Entwicklung im Schuhhandel

CCO Tobias Eichmeier zeichnete ein klares Bild der Branchensituation. Der Schuhhandel bleibe in einer ausgeprägten Schwächephase. Nach einem flächenbereinigten Umsatzrückgang von 4,6 Prozent im Jahr 2025 lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 erneut 5,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders die Monate März und April seien von ausgeprägter Kaufzurückhaltung geprägt gewesen.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die zunehmend strukturelle Ursachen erkennen lässt: sinkende Kundenfrequenzen, steigende Kosten und ein dauerhaft preissensibleres Konsumverhalten belasten den stationären Schuhfachhandel erheblich.

Auch CEO Frank Schuffelen ordnete die Situation im Rahmen der Generalversammlung deutlich ein: „Die Rahmenbedingungen haben sich nicht nur vorübergehend verändert – sie verändern sich strukturell, grundlegend und nachhaltig.“ Kunden agierten digitaler, schneller und anspruchsvoller, während Märkte volatiler und schwerer planbar würden. In diesem Umfeld betonte Schuffelen zudem die Bedeutung der genossenschaftlichen Struktur: „Veränderung ist kein Einzelkampf, sondern eine gemeinschaftliche Aufgabe.“

Während der klassische Schuhhandel unter Druck steht, zeigt sich im Gesamtbild der Branche eine zunehmende Differenzierung. Insbesondere Outdoor- und Wanderschuhe entwickeln sich stabiler und teilweise positiv. Noch dynamischer ist die Entwicklung im Sportfachhandel innerhalb der Gruppe. Die Konzerntochter Sport 2000 konnte 2025 deutlich über Markt und Wettbewerb hinaus wachsen. Das Zentralregulierungsvolumen stieg in Deutschland um 15 Prozent, international um 9,1 Prozent.

Insgesamt waren 74 Mitglieder anwesend.
Insgesamt waren 74 Mitglieder anwesend.

Solide Kennzahlen trotz herausforderndem Umfeld

Trotz der schwierigen Marktbedingungen präsentierte die ANWR Group auf der Generalversammlung robuste Geschäftszahlen. Die Umsatzerlöse beliefen sich 2025 auf 626 Millionen Euro. Das Zentralregulierungsgeschäft als zentrale Ertragsquelle wuchs um 2 Prozent auf 226 Millionen Euro. Das Abrechnungsvolumen erreichte 19,6 Milliarden Euro und lag damit 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern betrug 7,1 Millionen Euro.

Parallel investierte die Gruppe mehr als 13 Millionen Euro in Digitalisierung, Immobilien und Infrastruktur. Der Jahresüberschuss der eG lag bei 3,1 Millionen Euro, wodurch eine Dividende von 15 Prozent beschlossen werden konnte.

Daten, KI und Weiterbildung als strategische Antwort

Ein zentraler Schwerpunkt der in Mainhausen vorgestellten Strategie liegt auf der digitalen Transformation. Mit der KI-Lösung ANNI stellt die Gruppe ihren Mitgliedern ein System zur Verfügung, das Daten in Echtzeit analysiert und Entscheidungsprozesse unterstützt. Ergänzt wird dies durch die Retail Beats Academy, die auf Qualifizierung und Wissensvermittlung im Handel ausgerichtet ist. „Wir denken Prozesse zunehmend vom Anfang bis zum Ende – ohne Silos und ohne Insellösungen“, so CDO Martina Novotny. Ziel sei es, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu bündeln und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für den Handel abzuleiten.

Neben technologischen Innovationen bleibt die genossenschaftliche Struktur ein zentraler Stabilitätsfaktor. In einem Umfeld sinkender Frequenzen und steigender Kosten positioniert sich die ANWR Group als Plattform für den mittelständischen Handel, die Finanzierung, Beratung, Datenkompetenz und Gemeinschaft verbindet.

Für 2026 erwartet die ANWR Group weiterhin ein heterogenes Marktumfeld. Während Sport- und Lederwarenbereiche Wachstum zeigen, bleibt der Schuhhandel klar unter Vorjahresniveau. Gleichzeitig setzt die Gruppe auf eine Kombination aus Digitalisierung, KI, Prozessintegration und genossenschaftlicher Stärke. CEO Schuffelen brachte die strategische Leitlinie auf der Generalversammlung in Mainhausen auf den Punkt:„ Stillstand ist heute das größte Risiko.“

Damit wird deutlich: Der Schuhhandel steht nicht vor einer kurzfristigen Delle, sondern vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel, der am 26. Juni in Mainhausen nicht nur analysiert, sondern auch strategisch beantwortet wurde.

Vier Aufsichtsräte im Amt bestätigt

Im Rahmen der Generalversammlung standen turnusgemäß die Wahlen zum Aufsichtsrat auf der Tagesordnung. Die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Christian Bode, Britta Goertz, Franz Herrlein und Claude Steinmetz wurden für weitere drei Jahre in das Gremium gewählt.

Einen ausführlichen Bericht über die ANWR-Generalversammlung lesen Sie in der nächsten Ausgabe SHOEZ 8-2026.

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