Otto Group steigert Gewinn deutlich

Otto-Zentrale in Hamburg
Otto-Zentrale in Hamburg

Trotz Stellenabbau und schwieriger Konsumlage

Die Otto Group hat im Geschäftsjahr 2025/26 ihren Gewinn deutlich gesteigert, gleichzeitig aber erneut Arbeitsplätze abgebaut. Während der Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzern beim Ergebnis die beste Entwicklung seit der Corona-Pandemie verzeichnete, blieb das Marktumfeld weiterhin angespannt. Konzernchefin Petra Scharner-Wolff sprach dennoch von einem „sehr erfolgreichen Geschäftsjahr“.

Der Umsatz der Otto Group sank im vergangenen Geschäftsjahr um 7,4 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Hauptgrund dafür war der Verkauf der Konzerntochter About You an den Wettbewerber Zalando, der im Juli 2025 abgeschlossen wurde. Bereinigt um diesen Effekt blieb der Umsatz laut Unternehmen stabil.

Deutlich positiver entwickelte sich hingegen die Ertragslage: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg von 276 Millionen Euro im Vorjahr auf 641 Millionen Euro und erreichte damit den höchsten Wert seit der Corona-Zeit. Der Jahresüberschuss erhöhte sich von 165 auf 312 Millionen Euro.

Scharner-Wolff, die seit März 2025 an der Spitze des Konzerns steht, führt die Entwicklung auf eine konsequente Effizienzstrategie zurück. Wachstumstreiber waren insbesondere die Plattform otto.de, der Finanzdienstleister Eos sowie umfangreiche Kosteneinsparungen.

Plattformgeschäft bleibt Wachstumsmotor

Besonders wichtig für den Konzern bleibt die Plattform otto.de, die inzwischen rund ein Drittel des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Der Umsatz der Plattform stieg im vergangenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen (GMV) erhöhte sich um sechs Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, die Zahl der aktiven Kunden wuchs auf 12,6 Millionen.

„Wir haben es bei Otto geschafft, den Kunden mehr inspirierende, margenstärkere Produkte anzubieten“, erklärte Scharner-Wolff. Vor allem Möbel und Eigenmarken im Textilbereich gelten als profitabler als klassische Haushaltsgeräte.

Auch die Internationalisierung des Plattformgeschäfts schreitet voran: Händler aus den Niederlanden, Polen, Österreich, Frankreich und Spanien wurden im laufenden Jahr an die Plattform angebunden.

Neben Otto entwickelte sich auch die US-Tochter Crate and Barrel stabil. Der Anbieter für Einrichtung und Lifestyle erzielte ein währungskursbereinigtes Umsatzplus von 1,6 Prozent und plant in Nordamerika zusätzliche Filialen.

Einen wichtigen Ergebnisbeitrag liefert weiterhin der Finanzdienstleister Eos, dessen Erlöse auf knapp eine Milliarde Euro stiegen. Das Unternehmen steht allerdings immer wieder wegen seiner Inkassopraktiken in der Kritik von Verbraucherschützern.

Bonprix und Witt unter Druck

Weniger erfolgreich verlief das Geschäftsjahr für die Modeunternehmen Bonprix und Witt. Bonprix verzeichnete einen Umsatzrückgang von 15,7 Prozent. Belastet wurde das Geschäft durch die schwache Konsumstimmung sowie die Schließung des defizitären US-Geschäfts der Marke Venus.

Auch die Witt-Gruppe musste Umsatzrückgänge hinnehmen. Für beide Unternehmen laufen derzeit Transformationsprogramme, mit denen die Otto Group die Wettbewerbsfähigkeit stärken will.

Deutlicher Stellenabbau im Konzern

Parallel zum Sparkurs ist die Zahl der Beschäftigten erneut gesunken. Rund 34.800 Mitarbeiter beschäftigte die Otto Group zuletzt – etwa 1.500 weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: Während des Onlinehandels-Booms in der Corona-Pandemie arbeiteten noch mehr als 43.000 Menschen für den Konzern.

Personalvorständin Katy Roewer verwies auf umfangreiche Restrukturierungsprogramme der vergangenen Jahre. Der Stellenabbau solle „verantwortungsvoll umgesetzt“ werden.

Besonders betroffen ist das Plattformgeschäft in Hamburg: Dort sollen bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 bis zu 460 Vollzeitstellen wegfallen. Bei der Logistiktochter Hermes werden bis zu 850 Stellen abgebaut, teilweise sollen alternative Arbeitsplätze angeboten werden. Weitere 229 Stellen entfallen bei Witt, unter anderem über Altersteilzeit und Frühverrentung.

Konkurrenzdruck nimmt weiter zu

Der deutsche Onlinehandel bleibt insgesamt unter Druck. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung Köln, spricht von einem „hohen Preisdruck“ und zunehmender Konkurrenz. Vor allem große Plattformen könnten sich derzeit besser behaupten als kleinere Anbieter.

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch neue digitale Einkaufsgewohnheiten. Produktsuchen beginnen laut Hudetz zunehmend über KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini statt über klassische Suchmaschinen. Gleichzeitig gewinnen soziale Plattformen wie TikTok und Instagram als Verkaufskanäle an Bedeutung.

Der seit März 2025 verfügbare TikTok-Shop in Deutschland habe das Otto-Geschäft bislang allerdings nicht wesentlich beeinflusst, sagte Scharner-Wolff. Dennoch habe der Konzern sein Angebot erweitert, um auf die veränderten Marktbedingungen zu reagieren.

Investitionen in Technologie und KI

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Otto Group ein stabiles Ergebnis, rechnet jedoch nicht mit Rückenwind. Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen die schwache Konsumstimmung, geopolitische Unsicherheiten sowie den zunehmenden Wettbewerb aus Asien.

Vor allem Anbieter wie Temu und Shein erhöhen den Druck auf europäische Händler. Gleichzeitig will Otto verstärkt in Technologie und künstliche Intelligenz investieren. Bis 2030 soll das Kerngeschäft deutlich wachsen und die finanzielle Unabhängigkeit weiter ausgebaut werden.

„Wir gestalten aktiv die Zukunft“, betonte Scharner-Wolff. Ziel sei es, Umsatz und Gewinn des Kernportfolios langfristig auf ein neues Niveau zu heben.

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