Picard startet Sanierung in Eigenverwaltung

Lederwarenhersteller reagiert auf die anhaltende Konsumflaute

Die wirtschaftliche Schwäche und die daraus resultierende Kaufzurückhaltung der Verbraucher setzen immer mehr Unternehmen der Schuh- und Lederwarenbranche unter Druck. Nun hat auch der Lederwarenhersteller Picard Konsequenzen gezogen: Die operativ in Deutschland tätigen Gesellschaften Picard Lederwaren GmbH & Co. KG sowie Picard Leathergoods Retail GmbH & Co. KG haben Mitte Juni beim Amtsgericht Offenbach am Main ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat den Anträgen inzwischen stattgegeben.

Mit dem Verfahren verfolgt das Familienunternehmen das Ziel, seine finanzielle und operative Basis zu stärken und sich an die veränderten Marktbedingungen anzupassen. Anders als bei einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung im Rahmen einer Eigenverwaltung handlungsfähig und steuert den Restrukturierungsprozess selbst – unterstützt von erfahrenen Sanierungsexperten und unter gerichtlicher Aufsicht.

„Wir gehen mit klarem Fokus in diese Verfahren. Die konkreten Schritte erarbeiten wir jetzt gemeinsam mit den Restrukturierungsexperten“, erklärt Geschäftsführer Martin Picard. Nach aktueller Planung soll die Sanierung bereits im Herbst 2026 abgeschlossen werden.

Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter

Für Kunden sowie Handelspartner soll sich durch das Verfahren zunächst nichts ändern. Nach Angaben des Unternehmens werden sämtliche Geschäftsaktivitäten uneingeschränkt fortgeführt. Dies betrifft sowohl den eigenen Online-Shop als auch die Marken-Stores an den Flughäfen Frankfurt am Main und München. Ebenso werden die Handelspartner weiterhin wie gewohnt beliefert.

„Wir bieten in unseren Marken-Stores und im Online-Shop weiterhin unser gesamtes Sortiment an Lederwaren und Accessoires an und beliefern unsere Handelspartner wie gewohnt“, betont Restrukturierungsexperte Holger Rhode.

Auch für die rund 90 Beschäftigten gibt es zunächst Entwarnung. Die Arbeitsplätze bleiben erhalten, die Löhne und Gehälter sind nach Unternehmensangaben bis auf Weiteres gesichert.

Restrukturierung mit externer Unterstützung

Für die Umsetzung der Sanierung hat Picard erfahrene Restrukturierungsexperten in die Geschäftsführung berufen. Holger Rhode und Dr. Raul Taras, beide Partner der Wirtschaftskanzlei Görg, begleiten gemeinsam mit Thomas Montag, Partner der Unternehmensberatung Montag & Montag, den Restrukturierungsprozess.

Unterstützt wird das Verfahren zudem durch die vorläufige Sachwalterin Nadja Raiß von der Sozietät K&L Gates. Ihre Aufgabe besteht darin, die Eigenverwaltung im Interesse der Gläubiger zu überwachen und den Sanierungsprozess zu begleiten.

Kaufzurückhaltung belastet die Lederwarenbranche

Als wesentlichen Auslöser für den Schritt nennt Picard die anhaltend schwache Konsumstimmung. Die wirtschaftliche Unsicherheit führt nach Unternehmensangaben dazu, dass sich Verbraucher sowohl in Deutschland als auch auf internationalen Märkten bei Ausgaben für Mode- und Lederwaren deutlich zurückhalten. Diese Entwicklung trifft die Branche seit geraumer Zeit und hat sich zuletzt weiter verschärft.

Picard reiht sich damit in eine Entwicklung ein, die zahlreiche Unternehmen der Mode-, Schuh- und Lederwarenindustrie betrifft. Steigende Kosten, eine gedämpfte Konsumlaune und ein intensiver Wettbewerbsdruck stellen viele Hersteller und Händler vor erhebliche Herausforderungen. Eigenverwaltungsverfahren werden dabei zunehmend als Instrument genutzt, um notwendige Restrukturierungen frühzeitig umzusetzen und den Geschäftsbetrieb gleichzeitig aufrechtzuerhalten.

Traditionsunternehmen mit internationaler Produktion

Picard zählt zu den etablierten deutschen Herstellern hochwertiger Lederwaren. Das Unternehmen wurde 1928 in Obertshausen bei Offenbach gegründet und befindet sich bis heute in Familienbesitz. Zum Sortiment gehören insbesondere Handtaschen, Business-Taschen, Kleinlederwaren und Accessoires.

Vertrieben werden die Produkte über den eigenen Online-Shop, den stationären Fachhandel, Kaufhäuser sowie verschiedene Online-Händler. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen Marken-Stores an den Flughäfen Frankfurt und München sowie einen Outlet-Store am Stammsitz in Obertshausen.

Die Produktion erfolgt sowohl im hessischen Stammwerk als auch an Standorten in Bangladesch und der Ukraine. Nach eigenen Angaben legt das Unternehmen dabei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit sowie die Einhaltung sozialer Standards entlang der Lieferkette.

Jetzt teilen!

Sie möchten bei neuen Artikeln informiert werden?
Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter!

SHOEZ kompakt

Wir halten Sie stets auf dem Laufenden: Mit unserem kostenlosen Newsletter SHOEZ kompakt erhalten Sie regelmäßig zum Erscheinen eines neuen Heftes alle Informationen aus der Schuhbranche in übersichtlicher Form.

Neueste Artikel

Weitere Aktuelle Artikel​

SHOEZ kompakt

Wir halten Sie stets auf dem Laufenden: Mit unserem kostenlosen Newsletter SHOEZ kompakt erhalten Sie regelmäßig zum Erscheinen eines neuen Heftes alle Informationen aus der Schuhbranche in übersichtlicher Form.

Zahlen & Fakten

„Kompetent, branchenerfahren & unabhängig“​

Unsere Leser sind Schuheinzelhändler, Führungskräfte im Schuhfachhandel, die Schuhindustrie, Techniker, Handelsvertreter und Geschäftspartner im gesamten DACH-Verband.

Druckauflage (pro Monat)
0
Website-Interaktionen (pro Monat)​
0
Newsletter-Abos (Daily)​
0
Fans & Follower über Social Media
0
Consent Management Platform von Real Cookie Banner Floating Action Buttons
✉️ 🔗 📢
Seite kopiert! Jetzt teilen.