Schuhe bleiben hinter dem Modemarkt zurück
Der deutsche Onlinehandel hat seine Erholung im zweiten Quartal 2026 fortgesetzt. Nach Angaben des E-Commerce-Verbandes bevh stiegen die Umsätze mit Waren im Zeitraum April bis Juni gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr legte der Onlinehandel damit insgesamt um 4,3 Prozent zu. Besonders der Modehandel trug zu dieser Entwicklung bei, während der Schuhhandel unter dem Durchschnitt blieb.
Der Online-Umsatz mit Bekleidung wuchs im zweiten Quartal um 4,7 Prozent auf 3,77 Milliarden Euro. Damit entwickelte sich die Warengruppe besser als im ersten Quartal und sorgte für wichtige Impulse im E-Commerce. Schuhe verzeichneten dagegen lediglich ein Plus von 3,4 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro und blieben damit sowohl hinter der Entwicklung des Bekleidungssegments als auch hinter dem Gesamtmarkt zurück.
Zu den stärksten Wachstumstreibern zählten Waren des täglichen Bedarfs (+10,1 Prozent), insbesondere Drogerieartikel (+11,7 Prozent), Medikamente (+13,9 Prozent) sowie DIY- und Blumenartikel (+10,9 Prozent). Schwächer entwickelten sich dagegen die Bereiche Unterhaltung (+2,7 Prozent) und Einrichtung (+2,7 Prozent). Besonders Möbel, Lampen und Dekoration verzeichneten mit minus 2,1 Prozent sogar einen Umsatzrückgang.

Auch bei den Vertriebskanälen setzte sich ein klarer Trend fort. Online-Marktplätze steigerten ihre Umsätze um 6,4 Prozent und entwickelten sich damit deutlich dynamischer als klassische Onlineshops (+3,8 Prozent) oder Multichannel-Händler mit stationären Wurzeln (+2,5 Prozent).
Weiter an Bedeutung gewinnen asiatische Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress. Ihr Anteil am gesamten deutschen Onlinehandel liegt inzwischen bei 5,3 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich ihre Stärke im Modehandel: Dort entfallen mittlerweile mehr als 16 Prozent aller Bestellungen auf asiatische Anbieter. Nach Angaben des bevh wuchsen deren Umsätze um mehr als 20 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.
Der zum 1. Juli eingeführte 3-Euro-Pauschalzoll für Warensendungen aus Drittstaaten unter 150 Euro dürfte nach Einschätzung des bevh daran wenig ändern. Viele asiatische Anbieter hätten ihre Logistik bereits auf europäische Lagerstrukturen umgestellt und könnten die neuen Regelungen dadurch weitgehend umgehen.
Zunehmend beeinflusst auch Künstliche Intelligenz das Einkaufsverhalten. Bereits knapp sechs Prozent der Onlinekäufer nutzen KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini zur Produktsuche. In den Altersgruppen bis 39 Jahre liegt der Anteil bereits bei über zehn Prozent. Den eigentlichen Kauf möchten die meisten Verbraucher jedoch weiterhin selbst entscheiden: Nur 12,7 Prozent würden einer KI-Produktempfehlung ohne weitere Recherche direkt folgen, und lediglich neun Prozent wären bereit, einer KI den vollständigen Einkauf inklusive Zahlungsabwicklung zu überlassen.








