Einzelhandel von Nachfolgekrise betroffen

BBE warnt vor „historischer Zäsur“ im Mittelstand

Deutschland steht vor einer strukturellen Herausforderung, die sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen dürfte: Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich zunehmend zum Engpass für den Mittelstand – besonders stark betroffen ist der stationäre Einzelhandel. Nach aktuellen Zahlen kommen auf jährlich rund 186.000 geplante Stilllegungen nur etwa 114.000 erfolgreiche Unternehmensübergaben, wie KfW Research berichtet. Die Lücke wächst – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft, Beschäftigung und regionale Strukturen.

Die BBE Handelsberatung spricht in diesem Zusammenhang von einer möglichen „historischen Zäsur“ und hat ein neues Whitepaper vorgelegt, das Unternehmern Orientierung für eine frühzeitige Nachfolgeplanung bieten soll.

Demografischer Druck trifft auf strukturellen Wandel

Die Ursachen der Entwicklung sind vielschichtig. Ein zentraler Faktor ist die zunehmende Alterung der Inhaber: Mehr als die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen wird inzwischen von Personen geführt, die älter als 55 Jahre sind. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft innerhalb der Familien, Betriebe zu übernehmen.

Hinzu kommen externe Faktoren: bürokratische Anforderungen, ein rückläufiges Interesse potenzieller Nachfolger sowie die zunehmende Komplexität im stationären Handel selbst. Digitalisierung, verändertes Konsumverhalten und steigender Wettbewerbsdruck erschweren die wirtschaftliche Perspektive vieler Betriebe zusätzlich.

Branchenprognosen gehen daher davon aus, dass im laufenden Jahrzehnt tausende Einzelhandelsgeschäfte vom Markt verschwinden könnten – nicht zwingend durch Insolvenz, sondern durch fehlende Nachfolgeregelungen.

„Größte strukturelle Bedrohung für den Mittelstand“

„Deutschland steht vor einer wirtschaftlichen Herausforderung, die in ihrer Tragweite kaum überschätzt werden kann“, warnt Professor Dr. Philipp Hoog, Partner bei der BBE Handelsberatung. Die Unternehmensnachfolge entwickle sich zur „größten strukturellen Bedrohung für den deutschen Mittelstand und damit für das Rückgrat unserer Volkswirtschaft“.

Auch auf operativer Ebene zeigen sich Probleme: In den Nachfolgeberatungen der Industrie- und Handelskammern stehen deutlich mehr übergabebereite Unternehmen als potenzielle Käufer oder Nachfolger zur Verfügung. Das Missverhältnis gefährdet langfristig nicht nur Betriebe, sondern auch Arbeitsplätze und regionale Versorgungsstrukturen.

Familiennachfolge scheitert häufig an Dynamik

Ein zentrales Problem liegt laut BBE in der familiären Übergabe. „Rund neunzig Prozent der familieninternen Nachfolgen scheitern an der Familiendynamik und nicht am Management“, erklärt Lukas Reischmann, Manager bei der BBE Handelsberatung. Der Konflikt zwischen emotionalen Bindungen innerhalb der Familie und rationalen unternehmerischen Entscheidungen stelle eine der größten Hürden dar. In vielen Fällen fehle zudem das Interesse der nächsten Generation oder eine klare Einbindung in die Unternehmensführung.

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