Die Europäische Kommission hat gegen AliExpress eine Geldbuße in Höhe von 550 Millionen Euro verhängt. Der zum chinesischen Alibaba-Konzern gehörende Online-Marktplatz habe gegen Vorgaben des europäischen Gesetzes über digitale Dienste, den Digital Services Act (DSA), verstoßen. Nach Angaben der Behörde wurden die Risiken durch illegale, unsichere oder gefälschte Waren nicht ausreichend bewertet und begrenzt.
Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen unter anderem Fälschungen von Bekleidung, Schuhen und Accessoires sowie unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetikprodukte. Die EU-Kommission wirft AliExpress vor, seine Kontrollsysteme nicht ausreichend ausgestattet zu haben. Demnach stand zu wenig Personal für die Überprüfung verdächtiger Angebote zur Verfügung. Zudem seien erkannte Produkte teilweise nicht schnell genug entfernt und auffällige Händler nicht konsequent gesperrt worden. Auch Empfehlungs- und Werbesysteme hätten dazu beitragen können, problematische Angebote weiterzuverbreiten.
Kontrollen und Sanktionen unzureichend
Nach Einschätzung der Kommission reichten die von AliExpress eingesetzten Verfahren nicht aus, um die Risiken der Plattform realistisch zu erfassen. Unter anderem seien die internen Kontrollen leicht zu umgehen gewesen. Händler, die bereits durch illegale Angebote aufgefallen waren, hätten ihre Geschäfte teilweise fortsetzen können.
Damit habe AliExpress nicht nur Verbraucher gefährdet, sondern auch den Wettbewerb verzerrt. Anbieter, die Sicherheitsanforderungen erfüllen, Markenrechte beachten und in Produktentwicklung, Prüfungen sowie Qualitätssicherung investieren, konkurrieren auf den Plattformen mit Waren, die diese Kosten und Vorgaben umgehen.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen betonte, die Verbreitung gefälschter und gefährlicher Waren sei keine unvermeidbare Begleiterscheinung des Onlinehandels. „Größe ist keine Entschuldigung; Risiken müssen systematisch erkannt und angegangen werden“, erklärte sie.
AliExpress weist Vorwürfe zurück
AliExpress zeigte sich mit der Entscheidung nicht einverstanden. Das Unternehmen bezeichnete die Höhe der Geldbuße als unverhältnismäßig und verwies auf bereits vorgenommene Verbesserungen seiner Kontroll- und Risikomanagementsysteme. Die Entscheidung werde geprüft; zugleich erwäge das Unternehmen die zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten.
Bis zum 20. Oktober 2026 muss AliExpress der EU-Kommission einen Aktionsplan vorlegen, mit dem die festgestellten Mängel behoben werden sollen. Werden die Maßnahmen nicht ausreichend oder nicht fristgerecht umgesetzt, kann die Behörde weitere, auch regelmäßige Zwangsgelder verhängen.
Höchste bisherige DSA-Strafe
Die Geldbuße ist die bislang höchste Strafe, die auf Grundlage des Digital Services Act verhängt wurde. Das Regelwerk verpflichtet besonders große Onlineplattformen dazu, systemische Risiken zu untersuchen und wirksame Maßnahmen gegen illegale Inhalte und Produkte zu ergreifen. Dazu gehören auch transparente Meldeverfahren, die Kontrolle gewerblicher Anbieter und ein konsequentes Vorgehen gegen wiederholt auffällige Händler.
Bereits im Juni 2025 hatte die EU-Kommission vorläufig festgestellt, dass AliExpress seine Verpflichtungen im Umgang mit illegalen Produkten möglicherweise verletzt. Zugleich wurden damals Zusagen des Unternehmens zu anderen Bereichen, darunter Werbung und Empfehlungssysteme, für verbindlich erklärt. Die nun verhängte Strafe schließt den Teil des Verfahrens ab, der die Risikobewertung und den Umgang mit illegalen Waren betrifft.




























