Vor dem Landgericht München I beginnt am 22. September der zweite Strafprozess im Komplex um den Textil- und Membranspezialisten Sympatex. Angeklagt ist der frühere Miteigentümer und Unternehmensberater Stephan Goetz. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Betrug, Marktmanipulation und Untreue vor. Goetz weist die Vorwürfe zurück.
Im Mittelpunkt stehen Vorgänge aus dem Jahr 2017. Damals stimmten die Gläubiger einer Anleihe der Sympatex-Muttergesellschaft mit einem ursprünglichen Volumen von 13 Millionen Euro einem Schuldenschnitt von 90 Prozent zu. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollen Anleger über die wirtschaftliche Situation und einen angeblichen Kaufinteressenten – den sogenannten „weißen Ritter“ – getäuscht worden sein. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass Anleihen gezielt aufgekauft wurden, um die Mehrheitsverhältnisse bei der Gläubigerabstimmung zu beeinflussen.
In einem ersten Sympatex-Verfahren hatte das Landgericht München I im Oktober 2025 drei Angeklagte verurteilt. Unter ihnen war Goetz‘ damaliger Mitgesellschafter Stefan Sanktjohanser, der eine Bewährungsstrafe erhielt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Gläubiger mit einer falschen Darstellung über einen „weißen Ritter“ zum Forderungsverzicht bewegt werden sollten. Die damaligen Urteile beruhten auf einer Verständigung.
Das heutige operative Sympatex-Geschäft ist von dem Verfahren zu unterscheiden. Nach der Insolvenz der Sympatex Technologies GmbH Anfang 2026 übernahm der italienische Schuh- und Lederwarenzulieferer Pidigi zum 1. Juni wesentliche Vermögenswerte, darunter die Marke und die Membrantechnologie, und führt das Geschäft fort.




























