Die österreichischen Waldviertler Werkstätten in Schrems sind offenbar Opfer eines umfangreichen Betrugsfalls geworden. Ein ehemaliger kaufmännischer Mitarbeiter soll mehr als 800.000 Euro auf private Konten umgeleitet haben. Der Mann sitzt seit dem 30. Oktober in Untersuchungshaft. Das Landeskriminalamt Niederösterreich und die Staatsanwaltschaft Krems ermitteln.
Nach Angaben des Unternehmens soll der Mitarbeiter seit Anfang 2025 Gelder aus stornierten Online-Bestellungen auf eigene Konten umgeleitet haben. Dafür habe er Dutzende Bankkonten in mehreren Ländern eingerichtet und die Überweisungen zwischen regulären Buchungen versteckt. Später soll er auch Gelder von Lieferanten abgezweigt haben. Die einzelnen Beträge lagen offenbar stets unter 10.000 Euro, da ab dieser Summe im Unternehmen das Vier-Augen-Prinzip galt.
Aufgedeckt wurden die Unregelmäßigkeiten Mitte September, nachdem ein Zahlungsdienstleister ein Konto wegen verdächtiger Vorgänge gesperrt hatte. Eine interne Überprüfung ergab zunächst einen Fehlbetrag von rund 250.000 Euro. Weitere Untersuchungen brachten schließlich das mutmaßliche Gesamtausmaß von mehr als 800.000 Euro ans Licht. Am 15. September erstattete das Unternehmen Anzeige.
Für den Schuhhersteller haben die fehlenden Gelder spürbare Konsequenzen. Wie Eigentümer Heini Staudinger gegenüber dem „Kurier“ erklärte, musste das Unternehmen Rücklagen auflösen, Fremdkapital aufnehmen und längere Zahlungsziele mit Lieferanten vereinbaren. Zudem wurde eine Liegenschaft in Klagenfurt verkauft, um die Liquidität zu sichern.
Der laufende Geschäftsbetrieb sei jedoch nicht beeinträchtigt. Staudinger hofft, die veruntreuten Gelder zurückzuerhalten. „Wir gehen davon aus, dass das Geld noch da ist“, sagte er dem „Kurier“. Der beschuldigte Mitarbeiter war rund dreieinhalb Jahre für die Waldviertler Werkstätten tätig und wurde Anfang Oktober entlassen. Es gilt die Unschuldsvermutung.



























