Der deutsche Schuhmarkt kommt nicht aus der Flaute. Nach dem zweiten Rückgang in Folge im Jahr 2025 erwarten IFH Köln und BBE Handelsberatung auch für 2026 keine Trendwende. Für das laufende Jahr wird erneut mit einem leichten Rückgang auf rund 9,3 Milliarden Euro gerechnet.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um eine generell schwache Konsumstimmung. Die Verbraucher verändern grundsätzlich, wie sie Schuhe kaufen und nutzen. 30 Prozent der vom IFH befragten Konsumenten haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate weniger als 100 Euro für Fashion ausgegeben. Zwölf Prozent verzichteten sogar vollständig auf entsprechende Anschaffungen.
Ein Schuh für möglichst viele Anlässe
Einer der wichtigsten Trends ist die vom IFH als „Wardrobe Rationalization“ bezeichnete Verschlankung der Garderobe. Statt vieler verschiedener Modelle kaufen Verbraucher weniger Schuhe und achten stärker darauf, dass diese zu unterschiedlichen Outfits, Anlässen und Jahreszeiten passen. Komfort und Vielseitigkeit gewinnen damit gegenüber einer klaren Trennung nach Saison und Anlass an Bedeutung.
Eng damit verbunden ist der Trend zu „Smart Casual“. Sneaker, Loafer und neue Mischformen lassen sich sowohl zu legeren als auch zu etwas eleganteren Outfits kombinieren. Das verändert die Gewichte innerhalb des Schuhmarktes. Damenschuhe bleiben mit einem Marktanteil von 28,7 Prozent zwar die größte Warengruppe, Sportschuhe liegen mit 26,2 Prozent aber inzwischen dicht dahinter. Für Sneaker erwarten die Marktforscher 2026 sogar ein Umsatzplus von 5,7 Prozent.

Sandalen verlieren deutlich
Auf der Verliererseite stehen dagegen klassische Sandalen. 2025 wurden damit in Deutschland nur noch 548 Millionen Euro umgesetzt. 2019 waren es 621 Millionen Euro gewesen – ein Rückgang von knapp zwölf Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie im gesamten Schuhmarkt im gleichen Zeitraum.
IFH-Experte Hansjürgen Heinick sieht einen Zusammenhang mit dem Siegeszug des Sneakers. Wurde früher beispielsweise der Büro- gegen einen Sommerschuh ausgetauscht, wird der Sneaker heute häufig einfach weitergetragen. Der zusätzliche saisonale Kauf entfällt.
Kinderschuhe besonders unter Druck
Noch schwieriger entwickelt sich der Kinderschuhmarkt. Neben sinkenden Geburtenzahlen wirkt sich auch die finanzielle Situation vieler Familien aus. Schuhe werden seltener neu gekauft, häufiger weitergegeben oder gebraucht erworben. Secondhand-Plattformen wie Vinted verschärfen damit zusätzlich den Wettbewerb.
Dass die Verbraucher gerade bei Schuhen sparen, liegt nicht einmal an besonders starken Preissteigerungen. Seit 2020 sind Kinderschuhe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lediglich rund sieben Prozent teurer geworden, Sportschuhe um sechs Prozent und klassische Herren- und Freizeitschuhe um gut neun Prozent. Lebensmittel verteuerten sich im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um 37 Prozent. Das Problem ist also weniger der Schuhpreis selbst als das verfügbare Budget der Haushalte.
Onlineanteil steigt weiter
Für den stationären Schuhfachhandel trifft die schwächere Nachfrage auf einen ohnehin fortschreitenden Strukturwandel. 2025 wurden bereits knapp 38 Prozent des Schuhumsatzes online erzielt. Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil erst bei gut 24 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Schuhhandelsunternehmen seit dem Jahr 2000 von 7.247 auf rund 2.420 gesunken. Der BTE geht aktuell noch von etwa 8.200 Schuhgeschäften in Deutschland aus.



























