Drei Tage lang traf sich die internationale Taschen-, Lederwaren- und Reisegepäckbranche vom 29. bis 31. August zur 164. Ausgabe der ILM in Offenbach. Geordert, diskutiert und genetworkt wurde in einem Marktumfeld, das weiterhin von Konsumzurückhaltung und vorsichtiger Disposition geprägt ist. Dennoch registrierte die Messe nach eigener Einschätzung eine deutlich positivere Grundstimmung als zuletzt.
Besonders zufrieden zeigt sich die Messe mit der Internationalität. „Wir verzeichnen ein deutliches Auslandsplus“, sagt Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe. Bereits nach den ersten beiden Messetagen kamen Besucher aus 59 Ländern nach Offenbach, darunter Saudi-Arabien, Südafrika, Australien und Japan. Eine endgültige Gesamtbesucherzahl nennt die Messe in ihrem Schlussbericht allerdings nicht.

Gute Kontakte, vorsichtige Orders
Auch die Aussteller ziehen überwiegend eine positive Bilanz. Arun Spitthöver von Secrid berichtet: „Unsere Erwartungen und Hoffnungen wurden erfüllt.“ Neben zahlreichen Stammkunden habe das Unternehmen auch einige Neukunden gewinnen können.
Etwas zurückhaltender fällt die Einschätzung von Christiane Brunk, Geschäftsführerin von Braun Büffel, aus. „Vielleicht sind die Orders etwas kleiner, aber insgesamt sind wir zufrieden und haben Spaß auf der Messe“, sagt sie. Für Brunk bleibt die ILM dennoch eine feste Größe: „Die ILM ist für mich immer ein bisschen wie Nachhausekommen.“
Dass die reine Besucherzahl nicht für alle Aussteller entscheidend ist, zeigt das Beispiel Flynka. „Uns reichen fünf bis zehn gute Kundenkontakte“, erklärt Tobias Tilinski. Bei einer früheren Teilnahme sei aus einem Kontakt sogar eine Listung bei einer großen Gruppe entstanden.
Max Antwerpes von Got Bag beschreibt die ILM vor allem als Arbeitsmesse: „Die Leute kommen mit einer klaren Agenda und ihrer Checkliste hierher, es wird Business gemacht.“ Gleichzeitig schätzt er den persönlichen Austausch: „Für mich ist die ILM teilweise auch wie ein Klassentreffen.“
Farbe und Dekoration kehren zurück
Auch modisch zeichnete sich in Offenbach ein Wechsel ab. Nach mehreren Saisons, in denen reduzierte Designs und „Quiet Luxury“ dominierten, darf es für Frühjahr/Sommer 2027 wieder auffälliger werden. Farbe gewinnt an Bedeutung, Glitzer, Charms und Anhänger bringen mehr Dekorativität auf Taschen und Accessoires. Hinzu kommt der Jelly-Trend, der im kommenden Sommer stärker in den Sortimenten auftauchen soll.
Im Reisegepäck bleibt dagegen Funktion ein wichtiger Innovationstreiber. Frontopening-Konzepte, Zusatzmodule und wandelbare Modelle bis hin zum Koffer mit Rucksackfunktion sollen neue Kaufanreize schaffen.
ILM Award feiert Comeback
Zu den Höhepunkten gehörte die Rückkehr des ILM Award, der erstmals seit 2019 wieder vergeben wurde. In der Kategorie „Best in Product“ gewann Deuter mit einer wandelbaren 90-Liter-Duffel vor Cabaia und Jost. Bei „Best in Retail“ belegte Leder Maurer den ersten Platz, gefolgt von der Henschel Modehaus Gruppe und Leder Spahn.

Neben der Order rückten Talks, Trendvorträge und Networking stärker in den Fokus. Trendforscherin Karolina Landowski thematisierte beispielsweise die wachsende Sehnsucht nach „Human Made“-Produkten in Zeiten künstlicher Intelligenz – ein Ansatz, der für Lederwaren mit ihrer Betonung von Material, Verarbeitung und Handwerk besondere Relevanz hat.
Messechef Kappe sieht in der Stimmung ein Zeichen für eine veränderte Haltung in der Branche: „Diejenigen, die hier sind, wollen gestalten und sagen: Es geht voran.“ Die nächste ILM findet vom 13. bis 15. Februar 2027 in Offenbach statt.




























