Donnerstag, 1. Oktober 2026

Stephan Goetz weist Vorwürfe im Sympatex-Prozess zurück

Stephan Goetz weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
Stephan Goetz weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Frühere Sympatex-Miteigentümer sieht keinen entstandenen Schaden

Im zweiten Strafprozess um den umstrittenen Anleiheschnitt bei Sympatex hat der frühere Miteigentümer und Unternehmensberater Stephan Goetz die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Vor dem Landgericht München I erklärte Goetz am zweiten Verhandlungstag, der Schuldenverzicht der Anleger sei aus seiner Sicht notwendig gewesen, um eine Insolvenz der damaligen Sympatex-Mutter Smart Solutions Holding zu verhindern.

Die Staatsanwaltschaft wirft Goetz unter anderem Betrug und versuchten Betrug in mehr als 270 Fällen vor. Der von der Anklage zugrunde gelegte Schaden liegt nach Angaben aus dem Prozess bei rund einer Million Euro. Die 2013 begebene Anleihe hatte ursprünglich ein Volumen von 13 Millionen Euro und war mit acht Prozent verzinst. Im Dezember 2017 stimmten die Gläubiger einem Verzicht auf 90 Prozent ihrer Forderungen zu.

Goetz stellte vor Gericht dagegen infrage, dass den Anlegern durch die Restrukturierung überhaupt ein Schaden entstanden sei. Nach seiner Darstellung hätte die Gesellschaft die fälligen Zinsen nicht bedienen können und wäre ohne den Anleiheschnitt insolvent geworden. Er habe deshalb den Restrukturierungsweg als wirtschaftlich und rechtlich sinnvoll angesehen. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet er.

Der aktuelle Prozess ist der zweite Strafprozess zum Sympatex-Komplex. In einem ersten Verfahren hatte das Landgericht München I im Oktober 2025 unter anderem den früheren Miteigentümer Stefan Sanktjohanser und One-Square-Chef Frank Günther wegen versuchten Betrugs zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Im Zentrum beider Verfahren steht die Frage, ob Anleger vor dem Schuldenverzicht 2017 vollständig und korrekt über die wirtschaftliche Lage und die Eigentumsverhältnisse informiert wurden. Das Gericht stellte im ersten Verfahren fest, dass bei der Gläubigerversammlung auch Stimmen berücksichtigt worden waren, die wirtschaftlich den damaligen Gesellschaftern zuzurechnen waren und nach Auffassung des Gerichts nicht stimmberechtigt waren. Die daraus folgenden zivilrechtlichen Konsequenzen sind weiterhin umstritten.

Unabhängig vom Strafverfahren geriet Sympatex Anfang 2026 tatsächlich in die Insolvenz. Die Sympatex Technologies GmbH stellte am 22. Januar wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter.

Ende Mai verkaufte Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach die wesentlichen Vermögenswerte im Rahmen einer übertragenden Sanierung an den italienischen Zulieferer Pidigi. Das Unternehmen aus Verona übernahm unter anderem die Membrantechnologie, die Marke und die internationale Marktpräsenz von Sympatex. Am Standort Unterföhring blieben 21 Arbeitsplätze sowie vier Ausbildungsplätze erhalten. Seit Juni wird das Geschäft unter dem Dach der Pidigi-Gruppe fortgeführt.

Für das laufende Strafverfahren sind zahlreiche weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Abschluss ist nach bisheriger Planung erst Anfang 2027 zu erwarten.

 

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