Innenstädte verlieren ihre Vielfalt

Große Ketten dominieren den Modehandel in den Fußgängerzonen.
Große Ketten dominieren den Modehandel in den Fußgängerzonen.

Creditreform-Studie zeigt dramatischen Rückgang kleiner Einzelhändler

Deutschlands Innenstädte verändern ihr Gesicht. Immer mehr kleine, inhabergeführte Geschäfte verschwinden aus den Einkaufsstraßen, während große Handelsunternehmen und Filialisten ihre Marktposition weiter ausbauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung und des Handelsblatt Research Institute (HRI).

Demnach ist die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in Deutschland zwischen 2010 und 2025 um rund 16 Prozent auf 316.310 Unternehmen gesunken. Besonders betroffen sind kleinere Händler mit Jahresumsätzen von weniger als 250.000 Euro. Ihre Zahl ging im gleichen Zeitraum um 28 Prozent zurück – von rund 236.000 auf knapp 171.000 Betriebe. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Handelsunternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 25 Millionen Euro nahezu verdoppelt.

Fachhandel unter zunehmendem Druck

Für den stationären Fachhandel sind die Ergebnisse ein weiteres Warnsignal. Nach Einschätzung von Creditreform befindet sich der deutsche Einzelhandel mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Während Onlineplattformen, Discounter und große Filialketten Marktanteile gewinnen, geraten viele mittelständische Händler wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Besonders sichtbar werde diese Entwicklung in den Innenstädten, wo Fachgeschäfte verschwinden, Leerstände zunehmen und die Angebotsvielfalt sinkt.

Auch die Insolvenzzahlen verdeutlichen die angespannte Lage. Im Jahr 2025 wurden im deutschen Einzelhandel rund 2.440 Unternehmensinsolvenzen registriert – ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 2024 war die Zahl der Insolvenzen um nahezu 20 Prozent gestiegen. Zu den prominenten Fällen der vergangenen Jahre zählen unter anderem Galeria, Esprit, Gerry Weber, Görtz und zuletzt Depot.

Kosten, Konsumflaute und Wettbewerbsdruck

Als Ursachen nennt Creditreform die Kombination aus Kaufzurückhaltung, Inflation, steigenden Betriebskosten und einem anhaltend hohen Wettbewerbsdruck. Viele kleinere und mittelständische Händler verfügten inzwischen nur noch über geringe finanzielle Reserven. Gleichzeitig zwinge die Digitalisierung Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Für Fachhändler sieht Creditreform dennoch Chancen. Erfolgreich seien künftig vor allem Unternehmen, die Beratungskompetenz, Spezialisierung, Erlebnischarakter und digitale Sichtbarkeit miteinander verbinden. Individuelle Sortimente, Kundennähe und schnelle Reaktionsfähigkeit könnten wichtige Wettbewerbsvorteile gegenüber großen Ketten und Plattformanbietern darstellen.

Die Innenstadt wird neu definiert

Parallel zum Strukturwandel des Handels verändern sich auch die Innenstädte. Klassische Einkaufsfunktionen verlieren an Bedeutung, während Gastronomie, Freizeitangebote, Dienstleistungen und Wohnen stärker in den Mittelpunkt rücken. Viele Kommunen arbeiten bereits an neuen Nutzungskonzepten, um die Attraktivität ihrer Zentren zu erhalten.

Nach Einschätzung von Creditreform wird der Handel allein künftig jedoch nicht mehr ausreichen, um Innenstädte zu beleben. Erfolgreich werden vor allem jene Städte sein, die Einkauf, Freizeit, Gastronomie und Wohnen intelligent miteinander verknüpfen. Für den stationären Fachhandel bedeutet dies, seine Rolle als Frequenzbringer und Erlebnisanbieter künftig noch stärker auszuspielen.

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