Interview mit Barefoot-Messechef Arnd Hinrich Kappe
Die Barefoot – European Shoe Fair geht Ende Juli in Offenbach in ihre zweite Runde. Messe-Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe spricht über das starke Wachstum der Veranstaltung, die Zukunft des Barfußschuhmarktes und die Entscheidung, den Schuhverkauf für Endverbraucher einzustellen.
Als die Barefoot – European Shoe Fair im vergangenen Jahr ihre Premiere feierte, war sie ein Novum in der europäischen Messelandschaft. Erstmals widmete sich eine Fachmesse ausschließlich dem Thema Barfußschuhe. Die Resonanz von Industrie, Handel und Community fiel so positiv aus, dass die Veranstaltung bereits nach ihrer ersten Ausgabe internationale Aufmerksamkeit erlangte. Vom 24. bis 26. Juli 2026 findet die Messe nun zum zweiten Mal in Offenbach statt. Erwartet werden rund 100 Aussteller aus aller Welt sowie mehrere Hundert Fachbesucher. Im Gespräch mit SHOEZ erläutert Messe-Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe, warum Barfußschuhe für ihn weit mehr als ein kurzfristiger Trend sind, weshalb die Messe konsequent auf das Kernthema setzt und warum es in diesem Jahr keinen Schuhverkauf mehr für Endverbraucher geben wird.
Herr Kappe, die zweite Barefoot – European Shoe Fair steht kurz bevor. Wie fällt Ihr Fazit der bisherigen Vorbereitungen aus?
Sehr positiv. Die zweite Auflage wird noch erfolgreicher als die erste. Wir rechnen mit rund 100 Ausstellern und hätten theoretisch sogar noch etwas stärker wachsen können. Allerdings möchten wir die Veranstaltung bewusst kompakt halten. Eine zusätzliche Halle zu öffnen, nur um einige wenige weitere Aussteller unterzubringen, wäre weder für die Besucher noch für die Marken sinnvoll gewesen. Die Qualität der Veranstaltung ist uns wichtiger als reines Wachstum um jeden Preis.
Die Premiere wurde in der Branche vielfach als Überraschungserfolg wahrgenommen. Haben Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?
In dieser Geschwindigkeit sicherlich nicht. Aber wir haben relativ schnell gemerkt, dass wir mit dem Thema einen Nerv getroffen haben. Die Branche hat auf eine Plattform gewartet, die sich ausschließlich mit Barfußschuhen beschäftigt. Genau diese klare Positionierung ist einer der Gründe für den Erfolg. Mittlerweile sprechen wir nicht mehr von einer kleinen Nischenveranstaltung. Die Messe hat sich bereits nach ihrer ersten Ausgabe international etabliert und wird in vielen Ländern wahrgenommen.
Welche Ziele verfolgen Sie langfristig mit der Barefoot?
Ich halte etwa 140 Aussteller für eine realistische Zielgröße. Immer mehr Produzenten beschäftigen sich mit Barfußschuhen oder nehmen entsprechende Modelle in ihre Kollektionen auf. Das Potenzial ist also vorhanden. Darüber hinaus wollen wir feste Ordertermine etablieren. Deshalb wird es künftig Veranstaltungen im Juli und im Januar geben. Der Sommertermin wird vermutlich der stärkere bleiben, aber auch der Januar soll sich langfristig als fester Branchentreff etablieren.
Die Messe konzentriert sich ausschließlich auf Barfußschuhe. Haben Sie nie darüber nachgedacht, angrenzende Segmente einzubeziehen?
Nein. Das würde dem Konzept widersprechen. Natürlich könnte man die Messe problemlos um Gesundheitsschuhe, Kinderschuhe oder andere Spezialsegmente erweitern. Damit würde man möglicherweise zusätzliche Aussteller gewinnen. Aber genau das wollen wir nicht. Unser Ziel ist es, die größte und wichtigste Barfußschuhplattform weltweit zu sein. Deshalb achten wir sehr genau darauf, dass die ausgestellten Produkte tatsächlich den Kriterien eines Barfußschuhs entsprechen. Es gab sogar Anfragen von Herstellern, deren Produkte in eine ähnliche Richtung gehen. Diese haben wir bewusst abgelehnt, weil wir die Veranstaltung nicht verwässern möchten.
Was macht die Messe aus Sicht des Handels so interessant?
Die Vielfalt. Wer darüber nachdenkt, Barfußschuhe neu ins Sortiment aufzunehmen oder sein bestehendes Angebot auszubauen, bekommt hier einen einzigartigen Überblick über den Markt. Man findet praktisch alle relevanten Marken und Hersteller an einem Ort. Diese Konzentration gibt es in Europa kein zweites Mal. Deshalb halte ich einen Besuch für jeden Händler, der sich mit dem Segment beschäftigt, für ausgesprochen sinnvoll.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Barfußschuhmarktes insgesamt?
Ich bin überzeugt, dass wir es nicht mit einem kurzfristigen Trend zu tun haben. Oft wird der Vergleich mit den sogenannten Wackelschuhen gezogen, die vor einigen Jahren einen Boom erlebten und dann wieder verschwanden. Der Unterschied ist jedoch, dass Barfußschuhe deutlich stärker mit einer bestimmten Lebenshaltung verbunden sind. Viele Menschen, die sich für Barfußschuhe interessieren, beschäftigen sich gleichzeitig mit Gesundheit, Bewegung, Nachhaltigkeit oder bewusster Ernährung. Das ist keine reine Modeerscheinung, sondern häufig Teil eines Lebensstils. Wenn man die Besucher unserer Messe beobachtet, erkennt man schnell, dass hier eine sehr engagierte Community entstanden ist. Wer einmal von dem Konzept überzeugt ist, bleibt oft langfristig dabei.
Welche Bedeutung kann das Segment künftig für den Schuhhandel haben?
Ich glaube durchaus, dass Barfußschuhe künftig zehn bis fünfzehn Prozent des Umsatzes eines gut aufgestellten Schuhgeschäfts ausmachen können. Während viele klassische Segmente stagnieren oder rückläufig sind, bietet dieses Sortiment Wachstumspotenzial. Immer mehr Händler erkennen das. Die Nachfrage steigt kontinuierlich, und entsprechend wächst auch das Interesse des Handels.
Bislang waren vor allem Spezialisten in diesem Bereich aktiv. Wird sich das ändern?
Ja, das sehen wir bereits heute. Die Spezialisten waren wichtige Vorreiter und haben den Markt aufgebaut. Inzwischen interessieren sich aber auch immer mehr klassische Schuhhändler für das Thema. Hinzu kommt, dass sich die Produkte optisch stark weiterentwickelt haben. Viele Barfußschuhe unterscheiden sich heute auf den ersten Blick kaum noch von herkömmlichen Schuhen. Dadurch werden sie für deutlich breitere Zielgruppen interessant.
Die Premiere sorgte auch wegen des Verkaufs von Schuhen an Endverbraucher für Aufmerksamkeit. Dieses Konzept wurde nun geändert. Warum?
Wir haben sehr genau auf die Rückmeldungen der Branche gehört. Im vergangenen Jahr gab es zwei Fachbesuchertage und anschließend zwei Publikumstage. An den Endverbrauchertagen konnten Besucher bei einigen Ausstellern auch direkt Schuhe kaufen. Das hat allerdings nicht überall für Zustimmung gesorgt. Einige Händler und auch Aussteller haben deutlich gemacht, dass sie eine Fachmesse in erster Linie als Plattform für Information, Order und Austausch sehen und nicht als Verkaufsveranstaltung. Deshalb haben wir das Konzept angepasst.
Wie sieht die neue Struktur aus?
In diesem Jahr gibt es zwei Fachbesuchertage und einen Publikumstag. Der Publikumstag bleibt also erhalten, weil wir das Thema Barfußschuhe bewusst auch in die Öffentlichkeit tragen möchten. Allerdings wird es keinen Schuhverkauf mehr geben. Diese Entscheidung haben wir getroffen, um die Interessen des Handels stärker zu berücksichtigen und den Fachmessecharakter der Veranstaltung weiter zu schärfen.
Rechnen Sie damit, dass Endverbraucher enttäuscht sein könnten?
Natürlich wird es Besucher geben, die gerne Schuhe gekauft hätten. Gleichzeitig bieten wir aber deutlich mehr Information und Wissen rund um das Thema. Man muss sich vorstellen: Selbst viele spezialisierte Fachgeschäfte können keine 100 verschiedenen Barfußschuhmarken präsentieren. Auf der Messe erhalten Besucher einen einzigartigen Überblick über den gesamten Markt. Sie können die Produkte kennenlernen, vergleichen und sich direkt bei den Herstellern informieren.
Was erwartet die Besucher darüber hinaus?
Wir haben ein umfangreiches Rahmenprogramm zusammengestellt. Insgesamt gibt es 17 Vorträge und mehrere Workshops. Bei den Fachvorträgen geht es unter anderem um Fußgesundheit, Orthopädie, aktuelle Marktentwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das natürliche Gehen. Die Workshops richten sich insbesondere an Endverbraucher und beschäftigen sich beispielsweise mit Bewegungsformen, Fußtraining oder dem Einsatz von Barfußschuhen im Alltag und Sport. Uns war wichtig, dass die Besucher einen echten Mehrwert erhalten und nicht nur Produkte sehen.
Wie international ist die Veranstaltung inzwischen aufgestellt?
Sehr international. Wir erwarten Aussteller aus rund 50 Ländern. Neben europäischen Marken sind Unternehmen aus Australien, Brasilien und vielen weiteren Regionen vertreten. Bereits bei der Premiere kamen Besucher aus rund 40 Ländern nach Offenbach. Das zeigt, wie groß das internationale Interesse an dem Thema inzwischen ist. In Märkten wie den USA oder Teilen Südamerikas ist das Segment bereits deutlich stärker entwickelt als in Europa.
Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?
Wenn wir zwischen 500 und 800 Fachbesucher erreichen, wären wir sehr zufrieden. Für eine hochspezialisierte Messe dieser Art sind das sehr gute Zahlen. Wichtiger als die reine Besucherzahl ist für uns jedoch die Qualität der Kontakte. Die Menschen kommen gezielt nach Offenbach, weil sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigen.
Was unterscheidet die Barefoot Ihrer Meinung nach von anderen Schuhmessen?
Ganz klar der Community-Gedanke. Man merkt, wie stark die Branche miteinander vernetzt ist. Viele kennen sich seit Jahren und freuen sich auf den persönlichen Austausch. Die Atmosphäre ist deutlich offener und familiärer als auf vielen klassischen Ordermessen. Es geht nicht nur um Geschäft, sondern auch um gemeinsame Überzeugungen und die Weiterentwicklung eines Marktes. Genau das macht den besonderen Charakter der Barefoot aus.
Zur Messe
Die zweite Barefoot – European Shoe Fair findet vom 24. bis 26. Juli 2026 auf dem Gelände der Messe Offenbach statt. Die Veranstaltung gilt als erste europäische Fachmesse, die sich ausschließlich dem Thema Barfußschuhe widmet. Erwartet werden rund 100 Aussteller aus etwa 50 Ländern. Nach zwei Fachbesuchertagen öffnet die Messe am dritten Tag ihre Türen für Endverbraucher. Im Mittelpunkt stehen die Präsentation neuer Kollektionen, ein umfangreiches Vortrags- und Workshopprogramm sowie der Austausch innerhalb der internationalen Barfußschuh-Community. Auf den direkten Verkauf von Schuhen wird in diesem Jahr verzichtet.








