Streiks in verschiedenen Bezirken setzen erste Signale
Im Einzel- und Versandhandel hat die neue Tarifrunde begonnen. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach spürbaren Lohnerhöhungen – begleitet von ersten Arbeitsniederlegungen in mehreren Bundesländern, die den Auftakt der Verhandlungen bereits deutlich unter Druck setzen.
Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten Entgelterhöhungen um über 200 Euro beziehungsweise rund sieben Prozent mehr. Zudem soll ein Mindestentgelt von 14,90 Euro pro Stunde erreicht werden. Ziel ist ein Einkommensplus deutlich über der Inflationsrate.
Begründet werden die Forderungen mit der angespannten finanziellen Situation vieler Beschäftigter. Laut Verdi-Befragungen geben große Teile der Beschäftigten an, ihren Lebensunterhalt nur schwer bestreiten zu können; viele sorgen sich zudem um Altersarmut. Gleichzeitig verweist die Gewerkschaft auf die strukturell niedrigen Löhne in der Branche und die hohe Teilzeitquote, insbesondere unter Frauen.
Streiks erhöhen den Druck auf die Verhandlungen
Parallel zu den regional startenden Tarifgesprächen hat Verdi in mehreren Bundesländern bereits zu Warnstreiks aufgerufen oder diese durchgeführt. In Hamburg legten Beschäftigte unter anderem bei Modeketten und Möbelhäusern sowie in Logistikbereichen die Arbeit nieder. Auch in Niedersachsen-Bremen und Hessen kam es zu ersten Arbeitsniederlegungen, nachdem Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt hatten.
Die Streiks treffen vor allem filialstarke Handelsunternehmen und große Warenhaus- sowie Filialstrukturen. Ziel der Gewerkschaft ist es, den Druck vor den nächsten Verhandlungsrunden zu erhöhen und die Arbeitgeber zu einem verhandlungsfähigen Angebot zu bewegen. Weitere Arbeitskampfmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen, sollte es keine Annäherung geben.
Arbeitgeber verweisen auf wirtschaftlichen Druck
Die Arbeitgeberseite, vertreten durch die jeweiligen Handelsverbände, reagiert mit Kritik auf die Forderungen und Streikaktionen. Angesichts schwacher Konsumstimmung, hoher Kosten und sinkender Margen sei der Spielraum für deutliche Lohnerhöhungen begrenzt. Teilweise wird vor möglichen Belastungen für Betriebe bis hin zu Geschäftsaufgaben gewarnt.
Ein strukturelles Merkmal der Branche bleibt die geringe Tarifbindung: Nur ein Teil der Beschäftigten im Einzelhandel profitiert direkt von Tarifabschlüssen. Für viele Betriebe haben die Verhandlungsergebnisse daher eher orientierenden Charakter. Die Tarifrunde wird in den kommenden Wochen regional fortgesetzt.








