Wachstum trotz verhaltener Konsumstimmung
Der deutsche Fashionmarkt zeigt sich im Jahr 2025 robust: Trotz anhaltender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten erreicht der Markt für Fashion und Accessoires ein Volumen von 58,5 Milliarden Euro und wächst damit leicht gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus dem aktuellen Branchenbericht Fashion des IFH Köln und der BBE Handelsberatung hervor. Für 2026 wird ein moderater weiterer Anstieg auf 58,8 Milliarden Euro prognostiziert.
Konsum unter Druck – bewussteres Kaufverhalten prägt den Markt
Die Konsumstimmung in Deutschland bleibt angespannt: Mehr als die Hälfte der Verbraucher (54 Prozent) sorgt sich laut Studie um die langfristige Sicherung des eigenen Lebensstandards. Entsprechend werden Anschaffungen stärker priorisiert, nicht zwingend notwendige Käufe häufiger verschoben – auch im Bereich Bekleidung und Schuhe.
Trotz dieser Zurückhaltung bleibt der Markt stabil. „Inflation sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten führen dazu, dass Konsumenten Mode deutlich bewusster, strategischer und zunehmend saisonunabhängig einkaufen“, erklärt Lukas Reischmann, Manager Strategieberatung bei der BBE Handelsberatung. Gefragt seien vor allem vielseitig kombinierbare Produkte mit langfristigem Nutzwert. Gleichzeitig wachse der Druck durch neue Marktmechanismen wie „Agentic Shopping“, den Secondhand-Sektor und sich abschwächende Trendzyklen.
Sportbekleidung bleibt Wachstumstreiber
Innerhalb der Warengruppen zeigt sich Sportbekleidung weiterhin als stärkster Wachstumstreiber. Seit 2019 verzeichnet die Kategorie ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,8 Prozent. Neben funktionalen Eigenschaften profitiert sie vor allem vom Lifestyle-Aspekt rund um Gesundheit, Aktivität und Naturverbundenheit.
Auch Berufsbekleidung entwickelt sich positiv mit einem durchschnittlichen Plus von 1,9 Prozent pro Jahr seit 2019. Besonders funktionale und alltagstaugliche Styles gewinnen an Bedeutung – auch im Schuhsegment. Rückläufig bleibt hingegen die Kinderbekleidung, was vor allem auf sinkende Geburtenzahlen zurückzuführen ist.
Ein weiterer struktureller Wandel zeichnet sich durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Konsumverhalten ab: Bereits 35 Prozent der Konsumenten nutzen KI-Chatbots häufiger als klassische Suchmaschinen oder Plattformen. KI-basierte Systeme ermöglichen zunehmend umfassende Beratungsangebote – von Stilberatung über Produktempfehlungen bis hin zu virtuellen Anproben – und erhöhen damit den Wettbewerbsdruck, insbesondere im stationären Handel.
Wandel im Stilverständnis: von Casual zu Smart Casual
Auch modisch befindet sich der Markt im Umbruch. Der langjährige Trend zu Casual- und Sportstyles verändert sich und entwickelt sich in Richtung „Smart Casual“. Laut Carina Habke, Projektmanagerin am IFH Köln, reicht reiner Komfort für viele Konsumenten nicht mehr aus. Stattdessen rücken bewusstes Styling und individuelle Kombinationen stärker in den Fokus. Klassische Sneaker würden zunehmend durch elegantere Alternativen wie Loafer oder Ballerinas ergänzt. Damit zeichnet sich ein Trend ab, der insbesondere höherwertige Segmente – etwa im Bereich Accessoires – künftig wieder stärker in den Fokus rücken könnte.








