Der Lederwarenhersteller Picard hat rund dreieinhalb Monate nach dem Antrag auf Eigenverwaltung eine Investorenlösung gefunden. Martin Picard setzte sich mit Zustimmung des Gläubigerausschusses im Investorenprozess durch und übernahm zum 1. Oktober die wesentlichen Vermögenswerte der Picard Lederwaren GmbH & Co. KG sowie der Picard Leathergoods Retail GmbH & Co. KG. Damit bleibt die 1928 gegründete Marke in Familienhand.
Fortgeführt wird das Geschäft über die neu gegründeten Gesellschaften Picard Leathergoods GmbH und Picard Retail GmbH, deren alleiniger Geschäftsführer Martin Picard ist. Erhalten bleiben der Stammsitz in Obertshausen mit Outlet sowie die Marken-Stores an den Flughäfen Frankfurt und München. Auch das Online-Geschäft und die Belieferung des stationären Fachhandels sollen fortgeführt werden.
Von den zuvor rund 90 Beschäftigten werden etwa 55 übernommen. Rund 20 Mitarbeitern wurde im Zuge der Übernahme gekündigt, etwa zehn weitere Arbeitsverhältnisse enden durch auslaufende Befristungen oder andere Vereinbarungen. Für die betroffenen Mitarbeiter wurde mit dem Betriebsrat ein Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart.
Die beiden operativen Picard-Gesellschaften hatten Mitte Juni Sanierungsanträge in Eigenverwaltung gestellt. Als Grund nannte das Unternehmen die schwierige wirtschaftliche Lage und die zunehmende Kaufzurückhaltung. Das Amtsgericht Offenbach eröffnete die Verfahren zum 1. September. Bereits zu diesem Zeitpunkt berichtete Picard allerdings von einer positiven Resonanz aus dem Handel: Auf der ILM in Offenbach seien mehr Orders eingegangen als im Vorjahr.
„Wir besinnen uns auf unsere Stärken und möchten so Picard zum Erfolg führen“, erklärt Martin Picard. Die bereits vor dem Verfahren begonnenen Veränderungen bei Markenauftritt, Produkt und Vertrieb sollen weiter vorangetrieben werden.
Für Picard ist es bereits die zweite Sanierung innerhalb weniger Jahre. Der Lederwarenhersteller hatte schon 2020 Insolvenz angemeldet; das damalige Verfahren wurde 2021 beendet. Mit der jetzt erfolgten Übernahme können die aktuellen Sanierungsverfahren nach Angaben der Beteiligten in den kommenden Wochen beendet werden.



























