Nach Jahren, in denen spezialisierte Running-Marken wie On, Hoka und Brooks den etablierten Sportartikelkonzernen Marktanteile abgenommen haben, scheint sich das Kräfteverhältnis im Laufschuhmarkt wieder etwas zu verschieben. Vor allem Nike und Adidas melden deutlich stärkere Wachstumsraten im Running-Segment. Eine aktuelle Analyse der „Financial Times“ sieht die großen Sportmarken wieder auf dem Vormarsch.
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei Nike. Nach Angaben des Unternehmens verzeichnete die Running-Sparte zuletzt fünf Quartale in Folge zweistellige Wachstumsraten. Im Geschäftsjahr 2026 habe Nike seinen Umsatz mit Running-Produkten um rund eine Milliarde US-Dollar ausgeweitet. In Westeuropa und Nordamerika gewann die Marke nach eigenen Angaben zudem rund fünf Prozentpunkte Marktanteil im Segment der besonders profilierten Running-Schuhe.
Damit zeigen offenbar die Bemühungen Wirkung, mit denen Nike sein Running-Geschäft in den vergangenen Jahren neu aufgestellt hat. Dazu gehören ein stärkerer Fokus auf Performance-Produkte, Investitionen in Innovationen und eine wieder engere Zusammenarbeit mit dem Fachhandel. Gleichzeitig hat der Konzern sein Laufschuhangebot breiter aufgefächert und versucht, sowohl ambitionierte Läufer als auch den großen Markt der Freizeit- und Alltagsrunner stärker anzusprechen.
Adidas wächst kräftig im Performance-Geschäft
Auch Adidas meldet starke Zuwächse. Im zweiten Quartal 2026 legte das gesamte Performance-Geschäft währungsbereinigt um 39 Prozent zu, wobei Fußball und Running die wichtigsten Wachstumstreiber waren. Im ersten Halbjahr stieg der Performance-Umsatz um 34 Prozent. Bei Schuhen erzielte Adidas in mehreren Performance-Kategorien zweistellige Zuwächse, angeführt von Running, Training und Motorsport.
Die „Financial Times“ verweist zudem auf einen Anstieg der Adidas-Running-Umsätze um knapp 30 Prozent im ersten Quartal. Neben einem breiteren Produktsortiment spielen dabei auch die zunehmende Präsenz bei großen Laufveranstaltungen und die Zusammenarbeit mit Spitzenathleten eine Rolle.
Für Adidas ist die Entwicklung besonders bemerkenswert, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren gleichzeitig stark vom Lifestyle-Boom rund um Samba, Gazelle und andere Terrace-Modelle profitierte. Running entwickelt sich nun wieder zu einem wichtigen Wachstumsmotor im Performance-Geschäft.
Herausforderer wachsen weiter
Von einer grundsätzlichen Schwäche der jüngeren Running-Marken kann allerdings keine Rede sein. Die aktuellen Zahlen zeigen vielmehr, dass sich das Wachstum auf hohem Niveau teilweise normalisiert.
On steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 13,5 Prozent auf 850,3 Millionen Schweizer Franken. Währungsbereinigt betrug das Wachstum sogar 21,6 Prozent. Der Schuhumsatz legte um 10,9 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt um 18,9 Prozent zu. Besonders stark entwickelte sich das Direct-to-Consumer-Geschäft mit einem Plus von 26 Prozent.
Auch Brooks wächst weiter kräftig. Das Unternehmen meldete für das erste Halbjahr 2026 ein Umsatzplus von 14 Prozent und ein Rekordquartal im zweiten Quartal. In der Region Europa, Nahost und Afrika stiegen die Erlöse sogar um 39 Prozent. Nach eigenen Angaben ist Brooks in Deutschland weiterhin Marktführer bei Performance-Laufschuhen für Erwachsene ab einem Verkaufspreis von 90 Euro.
Die Entwicklung zeigt deshalb weniger eine Ablösung der Herausforderer als eine neue Phase des Wettbewerbs. Nike und Adidas gewinnen wieder stärker an Boden, während Marken wie On, Hoka und Brooks inzwischen eine wesentlich größere Marktposition verteidigen müssen als noch vor einigen Jahren. Der Hintergrund ist ein weiterhin wachsender Markt. Nach Daten, auf die sich die „Financial Times“ beruft, hat sich der weltweite Running-Schuhmarkt zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt. Allerdings hat sich die jährliche Wachstumsrate zuletzt von mehr als zehn auf rund acht Prozent abgeschwächt.




























