Hyperspektralkameras helfen dabei, passende Schuhpaare und Materialien automatisch zu erkennen
Bei der Sortierung gebrauchter Schuhe in Textilrecyclinganlagen stellt das Zusammenführen passender Schuhpaare eine besondere Herausforderung dar. Da Schuhe meist einzeln und vermischt mit großen Mengen anderer Textilien angeliefert werden, ist eine automatisierte Zuordnung oft schwierig. Der Bildverarbeitungsspezialist Avicon hat deshalb gemeinsam mit dem Textilrecycler Vive Textile Recycling ein System entwickelt, das Künstliche Intelligenz (KI) mit Hyperspektralbildgebung kombiniert.
Die Lösung ergänzt herkömmliche RGB-Kameras und 3D-Messungen um zusätzliche Materialinformationen. Mithilfe von Hyperspektralkameras des Typs Specim FX17 lassen sich Materialien wie Leder, Gummi, Kunststoff oder Textilien anhand ihrer spektralen Eigenschaften identifizieren. Dadurch kann das System auch äußerlich ähnliche Schuhe unterscheiden, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen.
Die erfassten Daten werden von einem KI-basierten Klassifikationssystem ausgewertet und anschließend mit Bild- und Geometriedaten kombiniert. Auf dieser Grundlage entscheidet ein Algorithmus, ob zwei Schuhe ein Paar bilden. Wird eine Übereinstimmung erkannt, werden die Schuhe automatisch weitergeleitet.
Nach Unternehmensangaben erreicht das System eine Materialklassifizierungsgenauigkeit von durchschnittlich 81,2 Prozent. Besonders zuverlässig werden Textilien und Gummi erkannt. Zwei parallel arbeitende Sortierlinien ermöglichen die Verarbeitung von bis zu 9.000 Schuhen pro Stunde. Die Zeit von der Bildaufnahme bis zur Sortierentscheidung beträgt rund 600 Millisekunden.
Neben einer effizienteren Sortierung soll die Technologie auch die Wiederverwendung hochwertiger Schuhe fördern. So können beispielsweise Lederschuhe gezielt identifiziert und priorisiert als Paar zusammengeführt werden, was ihren Wiederverkaufswert erhöht.
Nach Einschätzung von Avicon bietet die Kombination aus KI und Hyperspektralbildgebung künftig weitere Einsatzmöglichkeiten in der Kreislaufwirtschaft. Neben der Sortierung von Schuhen und Textilien könnte die Technologie auch neue Geschäftsmodelle im Secondhand-Bereich unterstützen und die Materialrückgewinnung im Recycling verbessern.








