Kriminalpolizei ermittelt nach Gasvergiftung in Gerberei Beuleke
Tragödie in Mittelhessen: Bei einem schweren Arbeitsunfall in der Lederfabrik und Pelzgerberei Beuleke im hessischen Runkel sind am Donnerstag drei Mitarbeiter ums Leben gekommen. Zwei weitere Kollegen wurden lebensgefährlich verletzt und mit Rettungshubschraubern in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Nach Angaben der Behörden wurden am Donnerstagnachmittag gegen 16.30 Uhr insgesamt fünf Arbeiter reglos in einer Klärgrube auf dem Betriebsgelände entdeckt. In dieser Grube werden Abfallstoffe aus dem Gerbereiprozess gesammelt. Für drei Männer kam jede Hilfe zu spät.
Ersten Erkenntnissen zufolge entwickelte sich das Unglück dramatisch: Offenbar geriet zunächst ein Arbeiter in der Grube in Not. Mehrere Kollegen stiegen daraufhin nacheinander hinab, um Hilfe zu leisten – und wurden dabei selbst Opfer der gefährlichen Situation. Die Reanimationsversuche bei drei der insgesamt fünf geborgenen Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren scheiterten. Zwei weitere Männer konnten lebend aus der Grube geholt und in ein Krankenhaus gebracht werden.
Die Ermittlungen zur genauen Ursache dauern an. In Klärgruben können sich gefährliche Gase aus den Abfallstoffen bilden. Im Zentrum der Ermittlungen steht nun die betroffene Grube.
Kriminalpolizei übernimmt Ermittlungen
Die Kriminalpolizei hat die Untersuchungen übernommen. Ziel ist es, die genauen Abläufe und die konkrete Todesursache zu klären. Auch mögliche Sicherheitsmängel werden geprüft. Wie genau es zu der tödlichen Verkettung von Ereignissen kommen konnte, ist weiterhin Gegenstand der Untersuchungen. Experten analysieren derzeit die Bedingungen in der Grube sowie mögliche chemische Reaktionen. Im Fokus steht dabei auch die Frage, ob die gefährliche Konzentration der Gase hätte erkannt oder verhindert werden können.
Rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Gefahrenabwehr waren im Einsatz. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, da die Lage zunächst unklar war und eine Gefährdung durch weitere Schadstoffe nicht ausgeschlossen werden konnte. Etwa 45 bis 50 Helfer, die direkten Kontakt mit den Opfern hatten, wurden vorsorglich dekontaminiert und medizinisch untersucht. Trotz der dramatischen Umstände bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung, das Geschehen beschränkte sich auf das Betriebsgelände.
Bestürzung in Politik und Stadt
Die Bestürzung über das Unglück ist groß. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein zeigte sich „zutiefst erschüttert“ und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Innenminister Roman Poseck bezeichnete den Vorfall als „schreckliche Tragödie“ und betonte, ein Ereignis mit drei Todesopfern habe er in seiner Amtszeit noch nicht erlebt.
Die Lederfabrik und Pelzgerberei Beuleke hat eine lange Tradition im Bereich der Lederherstellung. Seit 200 Jahren gerbt das 1826 gegründete Unternehmen Leder und Felle in Runkel und wollte in diesem Jahr Jubiläum feiern. Beuleke beschäftigte neben dem Firmenchef, der selbst zu den Todesopfern gehört, insgesamt sechs Mitarbeiter.








