Trotz globaler Belastungen steigert das Land Exportvolumen um 6,5 Prozent
Die vietnamesische Leder- und Schuhindustrie konnte im Jahr 2025 trotz anhaltender geopolitischer Spannungen, handelspolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten ihre Exportleistung stabilisieren. Der Exportumsatz belief sich auf 28,8 Milliarden US-Dollar und lag damit um 6,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Das Ergebnis wurde unter erschwerten Rahmenbedingungen erzielt. Insbesondere die US-Zollpolitik sowie globale politische Konflikte wirkten sich spürbar auf Lieferketten, Auftragsvolumina und Produktionsplanung aus.
Exportstruktur weiterhin stark von ADI geprägt
Die Exportstruktur der Branche blieb auch 2025 deutlich von Unternehmen mit ausländischen Direktinvestitionen (ADI) dominiert. Mit einem Exportumsatz von 22,82 Milliarden US-Dollar entfiel rund 80 Prozent des gesamten Branchenexports auf diesen Sektor, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Inländische Unternehmen erzielten Exporteinnahmen von 5,84 Milliarden US-Dollar und verzeichneten damit zwar ein überdurchschnittliches Wachstum von 29 Prozent, ihr Anteil am Gesamtvolumen bleibt jedoch vergleichsweise begrenzt. Die Zahlen verdeutlichen die weiterhin starke Abhängigkeit der Branche von internationalen Produktionsnetzwerken und kapitalstarken ausländischen Akteuren.
Der Lokalisierungsgrad der Industrie überschritt 2025 erstmals die Marke von 50 Prozent. Insgesamt umfasst die Branche rund 30.000 Unternehmen, darunter etwa 9.000 Hersteller von Endprodukten sowie rund 21.000 Betriebe im vorgelagerten Bereich. Die Entwicklung der heimischen Zulieferstruktur gilt als wichtiger Faktor zur Erfüllung von Ursprungsregeln und zur Reduzierung externer Abhängigkeiten, befindet sich jedoch weiterhin im Aufbau.
USA und EU bleiben wichtigste Absatzmärkte
Die Exportmärkte der vietnamesischen Schuhindustrie sind weiterhin stark auf wenige Regionen konzentriert. Die USA bleiben mit einem Exportvolumen von 11,01 Milliarden US-Dollar der wichtigste Absatzmarkt. Es folgen die Europäische Union mit knapp 6,88 Milliarden US-Dollar sowie asiatische Märkte wie China, Japan und Südkorea.
Gerade der EU-Markt stellt hohe Anforderungen an Umweltstandards, Arbeitsbedingungen und soziale Verantwortung, was die Anpassungskosten für Exporteure erhöht. Gleichzeitig trägt die regionale Diversifizierung innerhalb Asiens dazu bei, die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zumindest teilweise zu begrenzen.
Inlandsmarkt wächst, Wettbewerbsdruck nimmt zu
Parallel zu den Exportaktivitäten gewinnt der vietnamesische Inlandsmarkt an Bedeutung. Für 2025 wird ein Marktvolumen von rund 1,05 Milliarden US-Dollar erwartet, bei einem jährlichen Verbrauch von etwa 155 Millionen Paar Schuhen. Bis 2033 könnte das Marktvolumen auf rund 1,54 Milliarden US-Dollar anwachsen, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 5 Prozent.
Gleichzeitig ist der Wettbewerbsdruck hoch. Inländische Produkte decken derzeit weniger als 40 Prozent des Marktes ab, während Importware – vor allem aus China – rund 30 Prozent ausmacht. Dies verdeutlicht, dass vietnamesische Hersteller auch auf dem Heimatmarkt nur eingeschränkt von der steigenden Nachfrage profitieren.
2026: Erholungsperspektiven unter strukturellem Anpassungsdruck
Für 2026 erwarten Branchenvertreter eine moderate Erholung, da viele Unternehmen bereits bis in das zweite Quartal hinein über gesicherte Aufträge verfügen. Eine leichte Belebung der Konsumnachfrage in den USA und Europa sowie die teilweise Verlagerung von Produktionsaufträgen innerhalb Asiens könnten kurzfristig unterstützend wirken.
Dem stehen jedoch strukturelle Herausforderungen gegenüber. Der anhaltende Preiswettbewerb durch Niedriglohnländer und globale Marken, die Dominanz des Exportverarbeitungsmodells mit begrenzter Wertschöpfung sowie Defizite im inländischen Vertriebssystem schränken die Entwicklungsmöglichkeiten ein. Hinzu kommen Probleme wie Produktfälschungen, die das Vertrauen in lokale Marken beeinträchtigen.








