Onlinehandel behauptet sich trotz Krisen

Mode- und Schuhsegment bleibt verlässliche Größe

Trotz geopolitischer Spannungen, steigender Energiepreise und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich der deutsche Onlinehandel im ersten Quartal 2026 bemerkenswert robust. Die aktuellen Zahlen der Verbraucherbefragung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) belegen ein Umsatzwachstum von 3,6 Prozent auf rund 20,4 Milliarden Euro. Damit setzt sich der langfristige Erholungstrend fort – wenn auch in gedämpfter Form.

Besonders bemerkenswert: Die Konsumzurückhaltung vieler Verbraucher spiegelt sich bislang kaum im digitalen Handel wider. „Die krisenbedingt nachlassende Konsumlaune konnte den Onlinehandel bisher nicht herunterreißen“, erklärt bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Gleichzeitig schlägt er einen warnenden Ton an: „Die wahre Belastungsprobe kommt, sollte die Mehrwertsteuer tatsächlich angehoben werden.“

Mode und Schuhe: Stabilität in bewegten Zeiten

Innerhalb der einzelnen Warengruppen erweist sich der Modehandel einmal mehr als tragende Säule des E-Commerce. Sowohl Bekleidung (+3,6 Prozent) als auch Schuhe (+3,7 Prozent) konnten im ersten Quartal solide Zuwächse verzeichnen. In absoluten Zahlen bedeutet dies: Der Onlineumsatz mit Bekleidung stieg auf 3,573 Milliarden Euro, während Schuhe mit 953 Millionen Euro ebenfalls deutlich zulegten.

Diese Entwicklung unterstreicht die weiterhin hohe Relevanz des digitalen Vertriebs für die Fashionbranche. Gerade im Schuhsegment zeigt sich, dass Konsumenten auch in unsicheren Zeiten bereit sind, in Qualität, Komfort und Marken zu investieren – wenn Preis-Leistungs-Verhältnis und Verfügbarkeit stimmen.

Auffällig ist dabei die Rolle des Onlinekanals als verlässlicher Absatzmarkt: Während stationäre Frequenzen schwanken, bleibt der digitale Handel planbarer und stabiler. Insbesondere Multichannel-Händler konnten hiervon profitieren und ihre Onlineumsätze um 3,9 Prozent steigern.

Verschiebung hin zu Bedarfskategorien – aber Mode behauptet sich

Deutlich stärker wuchsen erwartungsgemäß die Bereiche des täglichen Bedarfs. Lebensmittel (+12,3 Prozent), Drogeriewaren (+10,1 Prozent) und Medikamente (+9,8 Prozent) legten kräftig zu. Der strukturelle Wandel hin zu mehr Onlinekäufen in diesen Segmenten setzt sich damit fort.

Dennoch zeigt sich: Der Modebereich behauptet sich erfolgreich im Spannungsfeld zwischen notwendigem Konsum und diskretionären Ausgaben. Anders als etwa Unterhaltungsmedien, die mit nur 0,2 Prozent Wachstum stagnieren, bleibt Fashion ein relevanter Impulsgeber im E-Commerce.

Marktplätze treiben Wachstum – Wettbewerbsdruck steigt

Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleiben Online-Marktplätze, die ihre Umsätze um 5,2 Prozent steigern konnten. Sie profitieren von hoher Sichtbarkeit, breitem Sortiment und internationaler Skalierung. Gleichzeitig geraten klassische Onlineshops zunehmend unter Druck: Pure Player verzeichneten lediglich ein Plus von 0,6 Prozent.

Besonders dynamisch entwickeln sich weiterhin asiatische Plattformen. Anbieter wie Temu, Shein und AliExpress wachsen zwar langsamer als im Vorjahr, legen aber immer noch um 12,9 Prozent zu – und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Ihr gemeinsamer Marktanteil stieg auf 4,9 Prozent.

Für europäische Mode- und Schuhanbieter bedeutet dies eine zunehmende Wettbewerbsintensität, insbesondere im Preiseinstiegssegment. Themen wie Liefergeschwindigkeit, Retourenmanagement und Markenprofilierung gewinnen damit weiter an Bedeutung.

Politische Risiken könnten Entwicklung bremsen

Trotz der insgesamt stabilen Lage sieht der bevh erhebliche Risiken für die kommenden Monate. Neben den bereits bestehenden Belastungen – hohe Energiekosten, internationaler Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten von großen Tech-Plattformen – sorgt vor allem die Diskussion um eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung für Unruhe in der Branche.

Wenk-Fischer warnt eindringlich: „Das derzeit stabile, aber vorsichtige Wachstum ist bei den in Regierungskreisen diskutierten Plänen zur Mehrwertsteuererhöhung in höchster Gefahr.“ Sein Appell: „Weniger Subventionen verbunden mit Bürokratieabbau wären die sinnvolle Alternative.“

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