Steigende Kosten, Online-Konkurrenz und Leerstände verschärfen die Krise der Branche
Der österreichische Bekleidungs- und Schuheinzelhandel steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Eine aktuelle Analyse des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln der WKÖ zeigt, dass die Branche zunehmend unter steigenden Kosten, verändertem Konsumverhalten und wachsender internationaler Konkurrenz leidet.
Zahl der Geschäfte deutlich rückläufig
In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Modegeschäfte in Österreich um 22 Prozent auf 4.254 Standorte gesunken. Besonders stark betroffen ist der Schuhhandel mit einem Minus von 34 Prozent, während die Zahl der Bekleidungsgeschäfte um 20 Prozent zurückging. Allein zwischen 2023 und 2025 verringerte sich die Anzahl der Standorte um weitere sieben Prozent.
Laut Studie betrifft die Entwicklung nicht nur kleine Händler: Rund 68 Prozent der geschlossenen Geschäfte waren Filialen großer Modeketten. Gleichzeitig bleiben viele frei gewordene Verkaufsflächen ungenutzt – in 42 Prozent der Fälle gibt es keine sichtbare Nachnutzung.
Kosten steigen, Preise stagnieren
Während Mieten, Energie- und Personalkosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, lassen sich höhere Preise im Modehandel nur schwer durchsetzen. Die Konsumenten geben zwar nominell mehr für Mode aus, der Anteil an den gesamten Konsumausgaben sinkt jedoch seit Jahren. Lag dieser vor rund 30 Jahren noch bei 7,2 Prozent, waren es 2024 nur noch 4,5 Prozent.
„Der Modehandel in Österreich steht unter großem Druck“, sagt Günther Rossmanith, Obmann des Bundesgremiums Handel mit Mode und Freizeitartikeln in der WKÖ. Besonders problematisch sei, dass steigende Kosten kaum an die Kundschaft weitergegeben werden könnten.
Onlinehandel verändert den Markt
Zunehmend belastet wird der stationäre Handel durch den Onlinehandel. 49 Prozent der Konsumenten in Österreich kauften 2024 zumindest gelegentlich Mode online ein – 2020 waren es noch 36 Prozent. Der Trend betrifft inzwischen auch ältere Zielgruppen.
Besonders kritisch sieht die Branche den Wettbewerb durch internationale Plattformen wie Temu und Shein. Laut WKÖ würden Anbieter aus Asien teilweise zoll- und steuerrechtliche Vorteile nutzen und damit den Wettbewerb verzerren. Jede vierte Person in Österreich habe bereits Mode über diese Plattformen gekauft.
Kritik an Vororder-System und Immobilienmarkt
Neben der Online-Konkurrenz kritisiert die Branche auch das traditionelle Vororder-System der Modeindustrie. Händler müssten Waren oft bis zu eineinhalb Jahre im Voraus bestellen und könnten dadurch nur eingeschränkt auf kurzfristige Nachfrageschwankungen reagieren.
Auch die Entwicklung am Immobilienmarkt sorgt für Spannungen. Laut Rossmanith seien viele Vermieter weiterhin von steigenden Mieteinnahmen ausgegangen, obwohl sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Einzelhandels deutlich verschlechtert hätten.
Branche erwartet weiteren Strukturwandel
Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der Konsolidierungsprozess fortsetzen wird. Erwartet werden sinkende Beschäftigtenzahlen, weiterer Druck auf regionale Standorte und eine stärkere Konzentration auf größere Unternehmen.
Chancen sehen Experten vor allem für Händler mit klarer Positionierung, digitaler Präsenz und zusätzlichem Serviceangebot. Gefordert werden zudem strengere Wettbewerbsregeln für internationale Online-Plattformen sowie eine konsequentere Durchsetzung von Umwelt-, Sicherheits- und Steuerstandards.








