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Lederwarenindustrie von Erholung noch weit entfernt

Die wichtigsten Lieferländer für Lederwaren und Koffer. Grafik: HDS/L

Umsätze der Branche gingen 2021 weiter zurück

Noch vor wenigen Wochen blickte die deutsche Lederwarenindustrie trotz Lieferengpässen, Inflation und ungewissem Verbraucherverhalten einigermaßen zuversichtlich in die Zukunft. Dies hat sich nun dramatisch verändert. Der Krieg in der Ukraine „überlagert alles andere“, so Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) zum Auftakt der Messe ILM am 5. März in Offenbach.

Die Zahlen, die Junkert für das vergangene Jahr präsentierte, waren alles andere als positiv. Die Umsätze der deutschen Lederwarenindustrie sind im Jahr 2021 weiter zurückgegangen. Die Verkaufserlöse reduzierten sich um 12,7 Prozent auf 406,2 Millionen Euro. „Wichtige Absatzkanäle mussten 2021 wegen der Covid-19-Pandemie lange schließen“, begründete Junkert den erneuten Umsatzrückgang. Da kaum gereist werden konnte, sei der Absatz von Koffern und Reisegepäck deutlich eingebrochen. Das Handtaschengeschäft litt darunter, dass es keine Events gab. Eine höhere Nachfrage habe es hingegen bei Outdoor- und Fahrradtaschen gegeben. Unterm Strich lag der Umsatz der Branche um fast ein Viertel unter dem Vor-Corona-Niveau.

Der Inlandsumsatz ist im Jahr 2021 um 14,7 Prozent auf 275,3 Millionen und im Vergleich zu 2019 sogar um ein Drittel gesunken. Rückläufig hat sich auch das Auslandsgeschäft entwickelt. 2021 konnten die deutschen Unternehmen der Lederwaren- und Kofferindustrie im Ausland einen Umsatz von 130,9 Millionen Euro erzielen. Dies entspricht einem Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber 2020.

Laut amtlicher Statistik ist die Beschäftigung im Jahr 2021 auf 891 Mitarbeiter gesunken, was einem Rückgang von 15,6 Prozent entspricht. Die Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie mit ihren vielen KMUs liegt 2021 mit schätzungsweise 2.550 Personen weitaus höher.

Die Verbraucherpreise für Reiseartikel und Lederwaren entwickelten sich nicht in demselben Maße wie die Verbraucherpreise insgesamt. Insgesamt sind von 2020 zu 2021 die Preise für Verbraucher über alle Güter hinweg um 3,1 Prozent gestiegen. Rückläufig haben sich die Verbraucherpreise bei der Produktgruppe Koffer, Reisetasche, Aktenkoffer und Geldbörsen entwickelt (Koffer und Reisetaschen: -1,5 Prozent; Aktenkoffer: -0,3 Prozent; Geldbörsen: -1,0 Prozent). Anstiege sind bei Handtaschen, Schulranzen und Rucksäcken zu verzeichnen (Handtaschen: +0,3 Prozent; Schulranzen: +0,3 Prozent; Rucksäcke: +0,7 Prozent). „Die Preise sind also weitgehend stabil. Unsere Branche gibt die gestiegenen Einkaufskosten nicht an die Konsumenten weiter“, resümierte Junkert.

Im vergangenen Jahr habe es eine leichte Verschiebung der Produktion von Asien nach Europa gegeben, sagte Manfred Junkert. Die Hauptrolle spiele aber weiterhin Asien.

Im Jahr 2021 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 2,1 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. Dies entspricht einem Anstieg von 13,4 Prozent. Der Wert der exportierten Lederwaren und Koffer liegt im Jahr 2021 aber noch unter dem Exportwert von 2019. Die wichtigsten Abnehmerländer von Lederwaren und Koffern aus Deutschland waren 2021 Polen (220 Millionen Euro), Frankreich (204 Millionen Euro), die Schweiz (202 Millionen Euro) und Österreich (171 Millionen Euro). Die EU-Mitgliedsstaaten bilden das Fundament für die Ausfuhr aus Deutschland. Fast 60 Prozent des Gesamtexportwertes von Lederwaren und Koffer geht in die Länder der EU.

Der Wert der Einfuhren ist um 6,1 Prozent auf 3,39 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleich zum Vor-Krisen-Jahr 2019 ist der Importwert der Lederwaren und Koffer um 10,7 Prozent zurückgegangen. China ist mit einem Anteil von 38,3 Prozent am gesamten Wert aller nach Deutschland eingeführten Lederwaren das wichtigste Lieferland. 2021 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 1,29 Milliarden Euro (+7,8 Prozent) aus China in Deutschland eingeführt. Es folgten Italien (486,7 Millionen Euro) und Frankreich (301 Millionen Euro).

Die Rohstoffpreise und die Logistik sehen die Unternehmen der Branche als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Preise für viele Rohstoffe sind vor dem Hintergrund der russischen Invasion in die Ukraine nochmals sprunghaft angestiegen. Bis vor der russischen Invasion deutete sich eine Stabilisierung bei den Logistikkosten an, da teilweise die Transportkosten aus Fernost stagnierten. Die Invasion verursacht zahlreiche neue zusätzliche Probleme in den Lieferketten. Der Landweg aus Asien ist keine Alternative mehr, es gibt Umwege und Einschränkungen im Luft- und Seefrachtverkehr

Auch konkret seien deutsche Branchen-Unternehmen schon jetzt vom Ukraine-Krieg betroffen, sagte Junkert. „Manche haben Produktionen in der Ukraine und sorgen sich primär um ihre Mitarbeiter, aber auch um Fertigstellung und Lieferfähigkeit der Ware.“ Durch die Einschränkungen im Zahlungsverkehr könne es zudem zu Zahlungsausfällen kommen. Die Märkte in Russland und den Anrainerstaaten würden als Absatzmarkt der deutschen Industrie erst einmal auf absehbare Zeit ausfallen.

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