ANWR stellt die Weichen neu

Auf der Messe wurde ein Konzept für den Kinderschuhbereich vorgestellt

Mehr Profilierung, bessere Spannen und weniger Messetermine

Beim Pressegespräch während der ANWR Order Summer in Mainhausen erläuterten die Geschäftsführerinnen Astrid Heinze und Désirée Orlowski die aktuellen Schwerpunkte der Verbundgruppe. Im Fokus stehen bessere Spannen, stärkere Profilierung, digitale Effizienz und eine Straffung des Messekalenders.

Die Lage im Schuhhandel bleibt angespannt. Im ersten Halbjahr lag der Rausverkauf der ANWR-Händler um 7,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bis zum Zeitpunkt der Messe hatte sich das Minus auf rund 5,6 Prozent reduziert. Für das zweite Halbjahr rechnen die Geschäftsführerinnen Astrid Heinze und Désirée Orlowski dennoch mit einem weiterhin schwierigen Marktumfeld.

Die Unterschiede zwischen den Sortimenten sind deutlich. Mainstream, mit 35 Prozent Umsatzanteil der größte Bereich, verlor sieben Prozent. Sport kommt inzwischen auf 20 Prozent Anteil und lag ebenfalls sieben Prozent unter Vorjahr. Komfort entwickelte sich mit minus vier Prozent vergleichsweise stabil, Lifestyle verlor dagegen zehn Prozent. Einzig Outdoor konnte mit plus vier Prozent zulegen. Textil blieb auf Vorjahresniveau.

„Es ist kein Schuhproblem. Das ist auch kein ANWR-Problem. Das ist ein generelles Consumer-Problem“, erklärte Orlowski. Kunden entschieden bewusster, wofür sie Geld ausgeben. Umso wichtiger seien klare Spezialisierung, Service und Einkaufserlebnisse.

7,5 Millionen Euro zusätzliche Rabatte

Einen direkten Hebel für bessere Margen sieht die ANWR im Shoe-Love-Partnerprogramm (SLPP). Händler stellen Verkaufsdaten zur Verfügung und erhalten von teilnehmenden Lieferanten drei Prozent zusätzlichen Rabatt auf die saisonale Vororder. Aktuell umfasst das Programm 87 Marken. Das zusätzliche Rabattvolumen summiert sich auf rund 7,5 Millionen Euro. Für Frühjahr/Sommer 2027 wurden elf weitere Lieferanten gewonnen.

Gleichzeitig baut die ANWR ergänzende Sortimente aus. Neu in der Zentralregulierung ist unter anderem Bestseller mit zehn Marken, darunter Name It, Object, Only Play, Only Shoes, Pieces und Selected. Textil und Accessoires erreichen zusammen inzwischen einen Umsatzanteil von acht Prozent und gewinnen damit für viele Schuhhändler an Bedeutung.

Die anteile der einzelnen Segmente am Gesamtsortiment der ANWR-Schuhhändler
Die Anteile der einzelnen Segmente am Gesamtsortiment der ANWR-Schuhhändler

Kinderschuhe als erstes Profilierungsprojekt

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Profilierung der angeschlossenen Händler. Als erstes Beispiel hat die ANWR ein Konzept für den Kinderschuhbereich entwickelt. Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein starres System, sondern um übertragbare Bausteine wirtschaftlich erfolgreicher Händler. Das Konzept entstand gemeinsam mit Vertretern aus Handel, Industrie und ANWR.

Zu den Themen gehören Sortiment und Marken, Ladenlayout, Marketing, Aktionen und Events, Beratung und Fußvermessung, Mitarbeiterschulung sowie Textil und Accessoires. Mit Aktionen wie Schnürsenkelkursen, Schuhführerschein oder Fotoshootings zum ersten Paar Schuhe sollen zusätzliche Besuchsanlässe und stärkere Kundenbindung entstehen.

Neu aufgesetzt wurde zudem der Content Hub, der Marketingmaterial der Lieferanten bündeln und für Händler einfach nutzbar machen soll. Neben Bildern und Social-Media-Inhalten umfasst das Angebot einen Marketingkalender sowie Vorschläge für Aktionen am POS.

117 Händler bei digitalen Prozessen begleitet

Auch auf der Kostenseite will die ANWR stärker unterstützen. In der Handelsberatung wurde dafür ein eigener Bereich für digitale Effizienz geschaffen. Mittlerweile wurden 117 Händler bei entsprechenden Projekten begleitet oder befinden sich aktuell in einem Beratungsprozess. Die Themen reichen von NOS-Anbindungen und Rechnungskontrolle bis zur Optimierung der Lagerorganisation.

„Wir müssen effizienter werden“, betonte Heinze. Gerade angesichts steigender Personal- und Betriebskosten sieht sie bei digitalen Prozessen noch erhebliches Potenzial.

Weniger Messen, stärkere Termine

Parallel strafft die ANWR ihren Messekalender. Für 2027 sind die klassischen Ordermessen vom 16. bis 19. Februar sowie vom 10. bis 13. August vorgesehen. Hinzu kommen die gemeinsam mit dem Sportbereich organisierten Veranstaltungen für Lifestyle-Sneaker, Sport und Outdoor vom 22. bis 24. November 2026 sowie vom 23. bis 25. Mai 2027. Orlowski plädiert grundsätzlich für weniger, dafür stärkere Branchentermine. „Wir brauchen weniger Messen. Aber die müssen besser werden und mehr Frequenz haben.“

Auch die im Mai gestartete Imagekampagne „Geht doch“ wird fortgeführt. Bis August beteiligten sich 187 Unternehmen mit 330 Verkaufsstellen. Die digitalen Anzeigen kamen auf 3,8 Millionen Ausspielungen und rund 9.800 Klicks auf die Kampagnen-Landingpage.

Einen ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe SHOEZ 10.

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