Schuhhersteller reagiert auf die gelockerte Swissness-Praxis
Der Schweizer Schuhhersteller Kybun Joya verlagert einen Teil seiner Produktion von Sennwald im St. Galler Rheintal nach Montebelluna in Norditalien. Das Unternehmen zieht damit nach eigenen Angaben Konsequenzen aus der im März 2026 geänderten Praxis zur Verwendung des Schweizerkreuzes. Rund 40 Arbeitsplätze sind von der Verlagerung betroffen.
„Die Konsequenz ist bitter, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch: Wir haben entschieden, einen Teil der Schuhproduktion von Sennwald nach Montebelluna in Italien zu verlagern“, erklärte Kybun-Joya-Co-CEO Claudio Minder bei einer Medienkonferenz des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV). Für die betroffenen Beschäftigten sollen im verbleibenden Schweizer Betrieb Lösungen gefunden werden. Minder erklärte zudem, die Mitarbeiter könnten im Unternehmen bleiben, teilweise allerdings mit veränderten Aufgaben im Zuge einer stärkeren Automatisierung.
Neue Regeln für das Schweizerkreuz
Auslöser der Diskussion ist eine Praxispräzisierung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) vom 23. März 2026. Unternehmen dürfen seitdem unter bestimmten Voraussetzungen das Schweizerkreuz auch in Verbindung mit Angaben wie „Swiss Research“ oder „Swiss Engineering“ verwenden, obwohl ein Produkt nicht vollständig in der Schweiz hergestellt wurde. Das Kreuz darf dabei allerdings nicht den Eindruck erwecken, das gesamte Produkt stamme aus der Schweiz.
Das IGE begründete die Präzisierung unter anderem mit dem wirtschaftlichen Druck durch den starken Schweizer Franken und hohe US-Zölle. Unternehmen, die Teile ihrer Fertigung ins Ausland verlegen, sollten weiterhin auf in der Schweiz erbrachte Leistungen wie Forschung oder Entwicklung hinweisen können.
Die Regelung hatte insbesondere im Zusammenhang mit dem Laufschuhhersteller On für Diskussionen gesorgt. On produziert seine Schuhe überwiegend in Asien. Die neue Praxis ermöglicht es dem Unternehmen, bei entsprechenden Hinweisen auf Schweizer Entwicklungsleistungen auch das Schweizerkreuz zu verwenden. In der Schweizer Öffentlichkeit wird die Änderung deshalb teilweise als „Lex On“ bezeichnet.
Minder sieht darin einen Nachteil für Unternehmen, die weiterhin zu höheren Kosten in der Schweiz produzieren. „Wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten ausgelegt bekommen“, sagte er. Nach seinen Angaben kann Kybun in Italien rund 35 Prozent günstiger produzieren als in der Schweiz.
Montebelluna bereits bestehender Standort
Ganz neu ist die Produktion in Italien für Kybun allerdings nicht. Das Unternehmen fertigt bereits seit Jahren einen Teil seiner Schuhe in Montebelluna. Kybun beschreibt sowohl Sennwald als auch den Standort in Norditalien als eigene Produktionsstätten. Nach Unternehmensangaben werden die Schuhe dort in weitgehend handwerklichen Prozessen und nach denselben Produktionsverfahren hergestellt.
Eigentlich hatte Kybun zuletzt weiter in den Standort Sennwald investiert. Nach Angaben Minders steht dort bereits eine neue Maschine für eine automatisierte Produktion bereit, zudem wird eine neue Produktionslinie aufgebaut. Statt zusätzliche Stellen in der Schweiz zu schaffen, werde nun jedoch ein Teil der Fertigung nach Italien verschoben.




























