Der Schweizer Fashion-Onlinehandel hat 2025 erstmals seit fünf Jahren wieder ein Wachstum verzeichnet. Darauf weist die E-Commerce-Beratung Carpathia in ihrem aktuellen Marktupdate hin. Die genaue Größe des Marktes bleibt allerdings umstritten: Je nach Quelle reichen die Schätzungen von 2,09 bis 3,5 Milliarden Schweizer Franken.
Während der gesamte Schweizer Fashionmarkt – einschließlich Bekleidung, Schuhe, Sportbekleidung und Accessoires – laut NIQ um 1,9 Prozent auf 7,85 Milliarden Franken zurückging, legte das Onlinegeschäft wieder zu. Der Handelsverband.swiss beziffert den Onlineumsatz auf 2,09 Milliarden Franken und meldet ein Plus von 2,5 Prozent. Carpathia schätzt das Marktvolumen sogar auf rund 3,5 Milliarden Franken. Ausschlaggebend für die Unterschiede sind unter anderem verschiedene Erhebungsmethoden sowie die schwierige Erfassung internationaler Anbieter und grenzüberschreitender Bestellungen.
Zalando dominiert weiterhin
Unangefochtener Marktführer bleibt Zalando. Der Berliner Onlinehändler erzielte nach Schätzungen von Carpathia 2025 in der Schweiz einen Umsatz von rund 1,82 Milliarden Franken und verzeichnete damit auch den größten absoluten Umsatzzuwachs im Markt. Gemeinsam mit dem inzwischen übernommenen Wettbewerber About You nähert sich die Plattform der Marke von zwei Milliarden Franken Umsatz in der Schweiz.
Zalando profitiert dabei nicht nur vom Endkundengeschäft, sondern zunehmend auch von seinem Partner- und Plattformmodell. Immer mehr Marken nutzen die Infrastruktur des Unternehmens für Vertrieb, Logistik und Marketing.
Shein wächst am stärksten
Die höchsten Wachstumsraten unter den großen Fashion-Anbietern erzielte erneut Shein. Der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Anbieter legte gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent zu und festigt damit seine Position unter den wichtigsten Online-Modehändlern des Landes. Bereits 2024 hatte Shein den früheren Branchenzweiten H&M im Schweizer Online-Fashiongeschäft überholt.
Parallel dazu gewinnt auch Temu weiter Marktanteile. Gemeinsam bedienen die beiden Plattformen die hohe Nachfrage nach günstiger Mode und Schuhen. Nach Schätzungen von Carpathia entziehen asiatische Anbieter dem Schweizer Bekleidungs- und Schuhmarkt inzwischen Umsätze in erheblicher Größenordnung.
Best Secret überholt H&M
Verschiebungen gibt es auch im mittleren und gehobenen Marktsegment. Best Secret setzt seinen Wachstumskurs fort und hat nach About You inzwischen auch H&M überholt. Seit 2022 hat der Shopping-Club seinen Umsatz mehr als verdoppelt. Dagegen verlieren Anbieter wie Bonprix und La Redoute weiter an Bedeutung und geraten durch Plattformen, Fast-Fashion-Anbieter und den intensiven Wettbewerb im Onlinehandel zunehmend unter Druck.
Plattformen prägen den Markt
Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem einen strukturellen Wandel im Schweizer Onlinehandel. Plattformmodelle gewinnen weiter an Gewicht, während klassische Versender und Einzelhändler Marktanteile verlieren. Gleichzeitig wächst der politische Druck auf Anbieter wie Shein und Temu. In der Schweiz und auf europäischer Ebene werden strengere Kontrollen, zusätzliche Gebühren sowie erweiterte Kennzeichnungspflichten für Billigimporte diskutiert.




























