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Österreichs Städte verlieren Einzelhandelsfläche

Studie: Umgerechnet 80 Fußballfelder Verkaufsfläche gingen 2022 verloren

Minus 500.000 Quadratmeter: Der Einzelhandel in Österreich hat im vergangenen Jahr bundesweit umgerechnet 80 Fußballfelder Verkaufsfläche verloren. Zu diesem Ergebnis kommt der jährliche erscheinende „S+M City-Retail Health Check“.

„Die rückläufige Flächenentwicklung der letzten zehn Jahre ist ein stiller Zeuge der veränderten Konsumgewohnheiten und der Auswirkungen der Pandemie. Allein im Mode- und Schuhhandel ist die Verkaufsfläche im Vorjahr um 2 Prozent eingebrochen. Der Bekleidungssektor nimmt – auch aufgrund von langfristigen Mietverträgen – in den Innenstädten zwar noch immer fast die Hälfte der gesamten Geschäftsflächen im Einzelhandel ein, er hat aber in den letzten beiden Corona-Jahren massiv an den Onlinehandel verloren“, fasst Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will die wichtigsten Studienergebnisse zusammen.

„Handel und Gastronomie gehören zusammen. Beide leiden stark unter den Corona-Auswirkungen, daher nimmt auch der Leerstand in den wichtigsten Einkaufsstraßen des Landes deutlich zu. Die Leerstandsquote in den österreichischen Innenstädten liegt aktuell bei 7,4 Prozent. Insgesamt musste der City Retail 2021 einen Verkaufsflächenverlust von mehr als 54.000 Quadratmetern verkraften. 90 Prozent der Ortskerne und Peripherien in den ländlichen Regionen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Hochgerechnet ergibt das einen Verkaufsflächenverlust von 500.000 Quadratmetern oder 80 Fußballfeldern“, so Will.

„Angesichts der Veränderung des Branchenmix in den heimischen Primär- und Sekundärstädten wird auch deutlich, dass das Kurzfristbedarfsangebot – sprich der Lebensmittelhandel – laufend zunimmt. Die Bekleidungsbranche kämpft hingegen mit deutlichen Verlusten, seit 2014 ist deren Anteil von 33 auf 29 Prozent gefallen. Diese Veränderung fiel signifikanter aus als in jeder anderen Branche. Allein der Modehandel hat in den letzten acht Jahren rund 82.500 Quadratmeter Verkaufsfläche verloren“, sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer des Studienverfassers Standort + Markt.

Mittlerweile finden sich nur mehr zehn Geschäftsbereiche, die eine positive Shopflächenentwicklung aufweisen. Der Flächenverlust war ab 2020 deutlich spürbarer als in den Jahren zuvor. Die größten Flächenzugewinne sind in Dornbirn, der Wiener Landstraßer Hauptstraße, in Amstetten und in Linz zu verzeichnen. Krisengeschüttelte Innenstädte der letzten Jahre mit hohen Leerstands- und Fluktuationsraten wie Steyr und Wiener Neustadt blieben auch 2021 nicht von einer Gesamtverkaufsflächenreduktion verschont.

Top 5: Gesamtverkaufsfläche

•Wien, Mariahilfer Straße (215.000m2)
• Wien, City (205.400m2)
• Graz (167.600m2)
• Linz (145.400m2)
• Innsbruck (115.500m2)

Leerstandsquote bleibt (zu) hoch

Die Leerstandsrate der Innenstadtbereiche liegt mit 6,1 Prozent (2020: 5,9 Prozent) etwas höher als in Österreichs Shoppingcentern mit 4,4 Prozent (2020: 4,5 Prozent). „Die durchschnittliche Leerstandsquote in den heimischen Groß- und Kleinstädten erhöht sich damit auf 7,5 Prozent, da Kleinstädte im Schnitt einen deutlich höheren Leerstand aufweisen. Insgesamt hat sich die Leerstandsrate in den Primär- und Sekundärstädten seit dem letzten Jahr zwar nur moderat um 0,2 Prozentpunkte erhöht, es bleibt allerdings abzuwarten, welche Auswirkungen die Pandemie und aktuell die hohe Inflation auf das Shopflächengerüst der Cities haben werden“, erklärt Standort + Markt-Gesellschafter Roman Schwarzenecker.

Top 5: Niedrigste Leerstandsrate

• Mödling (1,9%)
• Wien, Meidlinger Hauptstraße (1,9%)
• Innsbruck (2,4%)
• Wels (2,5%)
• St. Pölten (2,9%)

Pandemiebedingter Rückgang des Tourismus befeuert Leerstand

Traditionell liegen Salzburg, Innsbruck und die Wiener City – allesamt Tourismus-Hochburgen mit entsprechend hoher Passantenfrequenz – auf den vorderen Plätzen des Städtevergleiches. Aufgrund der Ereignisse der Covid19-Pandemie hat sich dieses Blatt zuungunsten einiger städtischer Geschäftsbereiche gewendet. Seit 2020 sanken die Übernachtungszahlen im Städtetourismus spürbar, was sich gravierend auf den innerstädtischen Handel niederschlug. Während der Anstieg der Leerstandsrate in der Wiener City moderat vonstattenging (von 3,4 auf 4,5 Prozent), fiel der Zugewinn in Salzburg um fünf Prozentpunkte deutlich massiver aus (von 1,6 auf 6,6 Prozent). Zumindest Innsbruck dürfte es im Jahr 2021 gelungen sein, den Abschwung abzufedern, die Leerstandsrate beträgt – nach einem merkbaren Anstieg 2020 – wieder gute 2,4 Prozent.

Die Wiener Neustädter Innenstadt bleibt die größte Herausforderung hinsichtlich innerstädtischer Leerstandsflächen: Mit 29,5 Prozent Leerstand belegt sie den letzten Platz im aktuellen Ranking. „Eine Leerstandsrate von über 20 Prozent weisen zudem Bruck an der Leitha, Knittelfeld, Liezen und St. Veit an der Glan auf. Zu den größeren Städten mit deutlich erhöhten Werten zählen 2021 neben der Salzburger Innenstadt auch die Wiener Landstraßer Hauptstraße und Bregenz“, sagt Schwarzenecker.

 

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