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Adidas steckt in der Krise

Das 2019 eröffnete Adidas-Gebäude in Herzogenaurach

2023 ist Betriebsverlust von 700 Millionen Euro möglich

Während sein alter Arbeitgeber Puma kürzlich Rekordergebnisse bei Umsatz und Gewinn verkündete, steckt sein neuer in der Krise. Der neue Adidas-Vorstandsvorsitzender Björn Gulden hat nach einem miserablen Jahr eine lange Aufgabenliste vor sich. „2023 wird ein Übergangsjahr sein, um die Basis für 2024 und 2025 zu legen“, sagte der Norweger auf der Bilanzpressekonferenz. „Wir müssen Lagerbestände abbauen und Rabatte reduzieren. Im Jahr 2024 können wir dann wieder mit dem Aufbau eines profitablen Geschäfts beginnen“, sagte der ehemalige Puma-Chef.

Die Zahlen für das vergangene Jahr hatte Adidas schon Mitte Februar vorgelegt. Demnach stieg der Umsatz währungsbereinigt gerade einmal um ein Prozent, während der Betriebsgewinn um gut zwei Drittel auf 669 Millionen Euro einbrach. Vom Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft, der zu Beginn des vergangenen Jahres noch mit mindestens 1,8 Milliarden Euro eingeplant war, blieben nur noch 254 Millionen Euro übrig.

Schon vor Wochen hatte Adidas wegen des Wegfalls des Geschäfts mit Yeezy-Produkten, die in Zusammenarbeit mit dem US-Rapper Kanye West entstanden waren, eine Gewinnwarnung herausgeben müssen. Adidas hatte die Partnerschaft mit dem umstrittenen Musiker West nach dessen wiederholten antisemitischen Äußerungen Ende vergangenen Jahres gestoppt. Die Marke Yeezy hatte bis dahin stets für Umsätze in Milliardenhöhe gesorgt. Bereits im vierten Quartal kostete der Verkaufsstopp den Sportartikelkonzern 600 Millionen Euro Umsatz.

Was mit der schon produzierten Ware passieren soll, hatte Adidas nicht detailliert festgelegt und prüft auch weiterhin verschiedene Optionen. Adidas warnte jedoch: Es würden dieses Jahr allein rund 1,2 Milliarden an Umsatz und etwa 500 Millionen Euro an operativem Gewinn fehlen, wenn die Bestandsware nicht verkauft wird. Adidas rechnet vor diesem Hintergrund damit, dass die Einnahmen in diesem Jahr um bis zu 9 Prozent zurückgehen. Sollte der Konzern unter dem neuen Vorstandschef Björn Gulden entscheiden, die Ware gar nicht mehr zu verwenden, dann müssten die Produkte abgeschrieben werden, was den Betriebsgewinn um eine weitere halbe Milliarde Euro schmälern würde.

Neben der aufgekündigten Partnerschaft mit Yeezy belastete vor allem das Geschäft in China. Dort ging der Umsatz im vergangenen Jahr wegen mehrfacher Lockdowns und eines Käuferboykotts um rund 36 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro zurück. In der zweiten Jahreshälfte hielten sich zudem in Europa und Amerika die Käufer wegen hoher Inflation zurück, was die Lagerbestände erhöhte. Im laufenden Jahr sei ein Betriebsverlust von 700 Millionen Euro möglich.

Der vorzeitige Abschied von Vorstandschef Kasper Rorsted (61) kostet Adidas fast 16 Millionen Euro. Der Däne, der den fränkischen Sportartikelkonzern im November fast vier Jahre vor seinem Vertragsende verlassen hatte, bekommt eine Abfindung von zwölf Millionen Euro, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Dazu kommen rund 3,6 Millionen Euro als Entschädigung dafür, dass er in den nächsten 18 Monaten nicht bei einem Branchenkonkurrenten anheuert, und das restliche Gehalt von rund 300.000 Euro für November und Dezember. Rorsteds Vertrag war erst 2021 um fünf Jahre verlängert worden.

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