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Sioux-Chef warnt vor Überforderung der Konsumenten

Fünf Fragen an Sioux-CEO Lewin Berner

  1. Wie läuft es bei Sioux?

Wir sind außerordentlich zufrieden: Die Entwicklung war bereits 2022 sehr positiv für uns. Auch in der F/S 2023-Saison sind wir etwa um 80 Prozent gewachsen, wir hätten noch stärker wachsen können, aber unsere Kapazitäten gaben das nicht her.

  1. Was erwarten Sie von der kommenden Saison?

Modisch bleiben Mokassins und Loafer ein wichtiges Thema, unsere Stiefelkollektionen mit Mehrweite und Komfortelementen sind gefragt. Wir verspüren daher auch in der neuen H/W-Vertriebssaison deutlichen Rückenwind. Die Kunden kaufen richtigerweise sehr fokussiert ein. Sie suchen verlässliche Abverkaufsquoten, konstante Qualität, Liefer- und Termintreue und gute Nachordermöglichkeiten. Dies alles können wir mit Sioux gewährleisten.

  1. Und was machen die Preise? Die Industrie hat teilweise deutliche Preiserhöhungen angekündigt – wie verhält sich Sioux?

Preise sind unseres Erachtens eines der Top-Themen im Markt. Der Konsument hatte 2022 hohe Verluste bei seinem Realeinkommen, seine Kaufkraft ist gesunken. Er ist daher deutlich preissensitiver als früher. Das gilt zwar viel stärker in den unteren und mittleren Preissegmenten, aber auch das gehobene Marktsegment kann sich dem nicht entziehen. Das mag bei LVMH im Luxusbereich anders aussehen, aber im hiesigen Schuhhandel darf man die Kunden preislich nicht überfordern. Wir hören von teilweise heftigen Preiserhöhungen bei Wettbewerbern, so dass man sich fragen muss, ob das wirklich um die Weitergabe von gestiegenen Beschaffungspreisen geht oder ob hier nicht versucht wird, die Marge auszuweiten. Das wäre meines Erachtens aber der absolut falsche Zeitpunkt für ein solches Unterfangen. Wir wollen bei Sioux hier bewusst einen Kontrapunkt setzen und haben daher die Preise diese Saison stabil gehalten, offenbar als einer der wenigen im Markt. Jedenfalls berichten uns das unsere Kunden und freuen sich, dass wir anders sind als andere.

  1. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage in der Branche ein?

Die Lage bleibt zunächst angespannt, wird sich aber mittelfristig zum Besseren wenden. Warum wir das so erwarten? Wir sehen Strukturveränderungen im Markt, die am Ende positiv zu beurteilen sind. Einerseits hat das Online-Geschäft seit Anfang 2022 starke Einbußen erlitten und das veränderte Investorensentiment zwingt die Online-Player zu rationalerem Handeln, sprich mehr Disziplin im Einkauf, Marketing und bei den teilweise irrwitzigen Rabattaktionen, was eine gute Nachricht ist für alle übrigen Marktteilnehmer. Andererseits hat die lange prognostizierte Flächenbereinigung im stationären Handel nun eingesetzt, aber anders als von vielen erwartet, sind die Großfilialisten mit ihren innerstädtischen Lagen die Verlierer. Demgegenüber haben sich die kleinen inhabergeführten Betriebe und die größeren lokalen Platzhirsche als deutlich resilienter herausgestellt. Auf längere Sicht kann man der Entwicklung durchaus Positives abgewinnen, denn der Markt wird gesünder dadurch, der Flächenüberbesatz löst sich auf. Hinzukommt, dass sich die konjunkturelle Situation deutlich aufhellt.

  1. Sie sind also optimistisch in Punkto Konsum und Anschaffungsneigung?

Ja, dafür gibt es durchaus gute Gründe: Im Herbst 2022 lag das Konsumentenvertrauen in Deutschland komplett am Boden. Die Inflationsrate war stark gestiegen und zwischenzeitlich zweistellig, die Hauptsorge in vielen Haushalten galt den Betriebskostennachzahlungen und es stand im Raum, dass sich der Preisauftrieb noch weiter beschleunigt. In der Konsequenz kam es zu einer Art Zwangssparen in vielen Haushalten und natürlich war im Warenkorb der Bereich Mode und Schuhe am stärksten von der Sparneigung betroffen. Seit Oktober fällt die Inflationsrate, wir liegen bei Strom- und Gaspreisen wieder auf dem Niveau vor dem Ukraine-Krieg. Die Peak Inflation liegt also hinter uns, das merkt jeder Verbraucher nicht zuletzt beim Tanken. im Gegenzug stieg nun im dritten Monat in Folge das Konsumentenvertrauen. Der Arbeitsmarkt ist stabil, die Konsumenten blicken mit deutlich mehr Zuversicht in die Zukunft. Die Anschaffungsneigung ist zwar noch niedrig, aber das ist ein nachlaufender Indikator. Die dunkelsten Stunden haben wir im Markt jedenfalls hinter uns gebracht und wir dürfen durchaus mit mehr Zuversicht in die Zukunft schauen.

 

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