Umsatz mit Schuhen übersteigt vier-Milliarden-Euro-Marke
Während große Teile des stationären Handels weiterhin unter Kaufzurückhaltung und strukturellem Druck leiden, entwickelt sich der E-Commerce zunehmend zum Lichtblick der deutschen Wirtschaft. Wie aktuelle Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) und des EHI Retail Institute zeigen, ist der Brutto-Umsatz mit Waren im deutschen Onlinehandel 2025 erstmals seit 2021 in allen Quartalen gewachsen. Mit 83,1 Milliarden Euro lag das Plus bei 3,2 Prozent – deutlich über der Prognose. Besonders erfreulich: Mode, Bekleidung und Schuhe zählen wieder zu den klaren Wachstumstreibern.
Modehandel gewinnt an Dynamik zurück
Nach einer längeren Schwächephase konnte der Online-Modehandel 2025 spürbar Boden gutmachen. Die Umsätze im Cluster Bekleidung stiegen um 3,5 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro. Innerhalb des Segments entwickelten sich insbesondere Schuhe positiv: Mit einem Umsatz von 4,084 Milliarden Euro verzeichnete das Schuhsegment ein Wachstum von 3,7 Prozent und lag damit leicht über dem Mode-Durchschnitt. Bekleidung erzielte online ein Plus von 3,5 Prozent auf 15,13 Milliarden Euro.
Damit bestätigt sich, dass Fashion und Footwear wieder stärker von der Verlagerung der Kaufentscheidungen ins Digitale profitieren – auch in einem Umfeld verhaltener Konsumstimmung. Der durchschnittliche Bestellwert im E-Commerce stieg leicht auf 146,19 Euro, während die Kundenzufriedenheit mit 96,2 Prozent weiterhin auf sehr hohem Niveau liegt.
Konsumenten bleiben online aktiv – auch bei Mode
Bemerkenswert ist die Stabilität der Vielkäufer: Rund ein Drittel der deutschen Onlinekunden bestellt mindestens zweimal pro Woche. Gleichzeitig ist der Anteil der Verbraucher, die ihre Onlineausgaben reduzieren wollen, so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Für Mode- und Schuhanbieter ist das ein wichtiges Signal – gerade angesichts steigender Kosten und hoher Retourenquoten im Fashion-E-Commerce.
„Die Menschen konsumieren auch in unsicheren Zeiten weiter – sie tun es aber digital“, betont bevh-Präsident Gero Furchheim. Der Onlinehandel entwickle sich insgesamt deutlich besser als der klassische Einzelhandel.
Marktplätze und asiatische Plattformen prägen das Wachstum
Mehr als die Hälfte des gesamten Onlinehandels (56 Prozent) wird inzwischen über Online-Marktplätze abgewickelt. Besonders dynamisch wuchsen Plattformen chinesischer Herkunft wie Shein, Temu und AliExpress. Obwohl ihr Umsatzanteil vergleichsweise gering bleibt, entfielen rund 30 Prozent des gesamten Wachstums im Waren-E-Commerce auf diese Anbieter.
Gerade im Mode- und Schuhsegment sorgen die extrem niedrigen Preise dieser Plattformen für zusätzlichen Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig verändern sie das Kaufverhalten, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Für europäische Anbieter rücken damit Differenzierung, Markenprofil und Servicequalität weiter in den Fokus.
Secondhand und Kreislaufmodelle gewinnen an Bedeutung
Ein weiterer Wachstumstreiber – insbesondere für Mode und Schuhe – ist der Re-Commerce. Der Onlinehandel mit gebrauchten Waren („Pre-Loved Goods“) legte 2025 um 21,8 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro zu. Immer mehr Händler integrieren Secondhand-Modelle, Resale-Plattformen oder Rücknahmeprogramme in ihre Sortimentsstrategien.
Der bevh sieht hier erhebliches Potenzial, fordert jedoch angepasste regulatorische Rahmenbedingungen, um nachhaltige Geschäftsmodelle nicht auszubremsen.
KI-Shopping: Chance mit Vorbehalten
Während KI-basierte Shoppinglösungen als nächste Entwicklungsstufe des E-Commerce gelten, ist die Akzeptanz bei den Verbrauchern noch gering. Nur 6,3 Prozent der Onlinekunden haben ihre Einkäufe bislang vollständig über KI abgewickelt. Gerade im Mode- und Schuhhandel, wo Beratung, Passform und Stilfragen eine zentrale Rolle spielen, bleibt Vertrauen ein entscheidender Faktor.
Der bevh mahnt, dass KI-Plattformen nicht zu dominanten Gatekeepern werden dürfen. Transparenz bei Kaufempfehlungen und faire Wettbewerbsbedingungen seien Grundvoraussetzungen für eine gesunde Entwicklung.








